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Text von Mittwoch, 9. November 2005

> k u l t u r<
  
 Kampf dem Gedenken: Schillerland zum Schiller-Jahr 
 Marburg * (fjh)
"Wenn die Leute mit ein bißchen Schiller kommen, dann sollen sie mit etwas mehr Schiller wieder rausgehen", erklärte Martin Esters vom Theater Gegenstand. Sein Stück "Schillerland" wird am Donnerstag (17. November) in der Waggonhalle uraufgeführt. Der Regisseur und Autor stellte die Hommage an Friedrich Schiller am Mittwoch (9. November) in der Kneipe "Rotkehlchen" vor.
"Schillerland" soll keine biografische Darstellung des Lebens von Schiller werden. Ebensowenig verarbeitet es die Texte des berühmten Dichters und Dramatikers. Vielmehr sucht Esters nach einem anderen Zugang zu Schiller.
"Im Schiller-Jahr haben wir vom Theater Gegenstand bislang noch nicht viel zu Schiller gemacht", erläuterte Esters. Er habe sich deswegen überlegt, worin die Stärken des "Freien Theaters" im Zugang zu dem Klassiker liegen könnten.
Herausgekommen ist eine Improvisation von fünf Mitspielerinnen und zwei Mitspielern. Assoziativ haben sie sich Vorstellungen zu Schiller erarbeitet. Die dabei entstandenen Szenen hat Esters dann komprimiert und zu einem Stück zusammengestellt.
Steffen Schmidt hat dazu einen "Soundtrack" zusammengestellt. Einspielungen vom Band sollen die Rezitation auf der Bühne aber nur untermauern und in ihrer Wirkung verstärken.
Themen, historische Figuren und Charaktere aus Schillers Stücken ziehen über die Bühne. Rezitiert werden auch Textpassagen aus seinen Werken, die Esters dann aber häufig in Umgangssprache umgewandelt oder anderweitig verfremdet hat.
Gleich drei Darsteller spielen den Friedrich Schiller. Mal steht einer von ihnen alleine auf der Bühne. Mal setzen sich zwei Schillers miteinander auseinander. Manchmal befinden sich auch alle drei gleichzeitig auf der Bühne.
Zwei Schiller-Darsteller sind männlich. Einer wird von Magdalena Kaim dargestellt.
Auch Johann Wolfgang von Goethe erscheint auf der Bühne als Frau. In einer Fechtszene käpmpft Schiller mit Goethe um die Vorherrschaft der deutschsprachigen Literatur. Zwar gewinnt Goethe, doch ist er mit seinem Sieg gar nicht recht glücklich.
Nie verwirklichte Pläne Schillers für eine Reise zum Nordpol lässt Esters Wirklichkeit werden. Er setzt sich mit den fragwürdigen Qualitäten des Dichters als Arzt ebenso auseinander wie mit Schillers Ablehnung von Unterdrückung. Eine Armbrust symbolisiert Wilhelm Tell. Mit ihr läuft Schiller bisweilen über die Bühne.
"Die Besucher sollen einen anderen Zugang zu Schiller entdecken jenseits von allen biografischen Kenntnissen", hofft die Schauspielerin Antje Kessler. "Vielleicht sogar ihre liebe zu Schiller!"
 
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