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Text von Sonntag, 20. November 2005

> k u l t u r<
  
 Sieg der Komik: Cash bot Klamottenkisten-Klamauk 
 Marburg * (fjh)
Eric Swan hat ein Problem. Ein Beamter der Außenprüfung des Sozialamtes steht vor seiner Tür.
Aus dieser Ausgangssituation lässt Michael Cooney eine spritzige Komödie entstehen. Seine Farce "Cash - und ewig rauschen die Gelder" feierte am Samstag (19. November) im Theater am Schwanhof (TaSch 1) Premiere. Die Regie führte dabei Manfred Gorr.
Wer allerdings eine sozialkritische Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit oder dem vielbeklagten "Missbrauch" von Sozialleistungen erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Cooneys Bühnenstück ist eine flotte Verwechslungskomödie voller Gags und Pointen. Irgendeinen Hintersinn oder Tiefgang sucht man darin jedoch vergeblich.
Eric Swan hat ein wahres Geflecht erfundener Leistungsbezieher ausgeheckt. Sie alle kassieren Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Krankengeld. Auf diese Weise kann Eric seiner Frau Linda verheimlichen, dass er selbst seinen Job bei den Stadtwerken verloren hat.
Swans Untermieter Norman Basset überrascht Eric, wie er gerade mit der Behörde telefoniert. Dabei hat Eric Normans Tod gemeldet, weil er auch für ihn Arbeitslosengeld kassiert hatte. Doch Norman arbeitet in einem Schuhgeschäft.
Nun versuchen Norman und Erics Onkel George, den Beamten von der Außenprüfung davon zu überzeugen, dass sein Verdacht unbegründet sei. Eine heitere Verwechslungskomödie, wie sie die Welt schon tausendfach gesehen hat, spannt nun den Bogen zwischen einem Stakkato von Missverständnissen, Sprüchen, Klamauk und Komik.
Zu allem Überfluss erscheinen auch noch eine Mitarbeiterin der Fürsorge, ein Eheberater, ein Leichenbestatter und Normans Verlobte Brenda in der Wohnung. Das Verhängnis nimmt seinen witzigen Lauf. Es darf gelacht werden.
Manche Gags freilich sind doch zu überzogen. Wenn Norman dem Prüfer als sein eigener Sohn entgegentritt, der leider taub und von Beruf Klavierstimmer ist, dannn nimmt das Ganze doch den Charakter billigsten Klamauks an. Auch Onkel George als Leiche, die mal vom Baum gefallen und mal an hochansteckenden Krankheiten gestorben ist, in Wirklichkeit aber nur wegen des unfreiwilligen Zusammenstoßes mit einer Tür benommen daliegt, wirkt ziemlich gequält.
Das hohe Tempo, das ein solches Stück seinen Darstellern abverlangt, konnten die Akteure am Premierenabend nicht ganz auf die Bühne bringen. Vor allem am Anfang wirkte das Ganze noch ein wenig schleppend.
Gabriel Spagna als Norman Basset fand dann jedoch zu seinem Spiel und überzeugte als treudoofer, mitunter auch pfiffiger Untermieter. Den Beamten spielte Thomas Streibig durchaus überzeugend und passend. Als dessen Chefin Mistress Cowper wirkte Christine Reinhardt sehr "tough".
Die anderen Darsteller machten ihre Sache zwar gut, aber doch ein kleines bißchen zu schwerfällig. Vor allem David Gerlach als Eric Swan konnte nicht wirklich begeistern.
Insgesamt bereitete das Hessische Landestheater mit "Cash" dem Publikum jedoch einen sehr vergnüglichen Abend. Fast zwei Stunden lang fand das Gelächter und Gekichere kein Ende.
Wer sich einfach nur witzig und kurzweilig unterhalten möchte, dem sei die Farce durchaus empfohlen. Die konsequente und hartnäckige Beanspruchung ihrer Lachmuskeln dankten die Zuschauer den Darstellern am Premierenabend dann auch mit einem donnernden Applaus.
 
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