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Text von Sonntag, 30. Oktober 2005

> k u l t u r<
  
 Gebote auf Gott: Die Kirchen entdecken Ebay 
 Marburg * (fjh)
Die Kirchen haben Ebay für sich entdeckt. Nachdem der VW Golf von Josef Kardinal Ratzinger nach dessen Wahl zum Papst Benedikt XVI. eine sechsstellige Summe erzielt hatte, versucht sich nun auch die evangelische Landesbischöfin von Hannover bei Ebay. Dr. Margot Käsmann hat dort ihr altes Handy versteigert.


Der Ertrag von 200 Euro soll einem Frauen-Netzwerk zugute kommen. So möchte die einstige Marburger Elisabethschülerin und Theologiestudentin die soziale Arbeit von Frauen unterstützen.


"Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles", wusste schon vor fast 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe. Sein geniales Bühnenstück 2Faust" thematisiert den Ausverkauf der Seele zugunsten von Ruhm, Macht und Geld.


Den alttesamentarischen "Tanz um das goldene Kalb" betreiben aber schon seit vielen Jahren auch die Kirchen. Über Jahrhunderte hinweg haben die katholischen Klöster und Bischöfe Reichtümer angehäuft, während sie der armen Bevölkerung ständig neue Opfer abverlangt haben.


Auch die evangelischen Kirchen sind längst kapitalistische Unternehmen geworden. Alle ihre Bereiche sind "Profit-Center" und müssen wirtschaftlich haushalten. In einer kapitalistischen Umwelt scheint das anders nicht zu gehen.


Und so weist Ebay den Weg zu neuen Geldtöpfen. So sieht der Reliquienhandel des 21. Jahrhunderts aus.


Gott steht demnächst sicher auch zum Verkauf an. Wer bietet mehr?


Unteru uns: Wir brauchen den alten nicht mehr. Wir haben schon einen Neuen. Der hat viel mehr Strahlkraft, unser neuer Gott Mammon!
 
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