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Text von Donnerstag, 26. Mai 2005

> k u l t u r<
  
 Verdrehte Welt: Leben unter tierischer Regierung 
 Marburg * (yvg)
Ein "ganz normales kleines Menschenleben" präsentierte das Theaterlabor des Hessischen Landestheaters mit "Helges Leben". Wie die Premiere am Vortag war auch die zweite Vorstellung am Mittwoch (25. Mai) im Theater am Schwanhof (TaSch) gut besucht. Daniel Kuschewski hat das "schöne Theaterstück von Sybille Berg" zusammen mit zwölf schauspielenden Studenten in Szene gesetzt.
"Wie schön, es ist eine Nachgeburt geworden!" Das ist Helge. Helge ist der Protagonist eines Theaterstückes, das eigens für die regierenden Tiere aufgeführt wird. Ja, richtig. Es sind nicht mehr die Menschen, die den Ton angeben und sich über niederes Gefieder lustig machen. Es ist genau umgekehrt.
Zum besonderen Amüsement von Schnapphamster, Tapir und Anhang präsentiert "Genesis Entertainment" ein Menschenleben, wie es erbärmlicher nicht sein könnte. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Helge ist nun wirklich nicht das, was man als Frucht der Liebe bezeichnen würde.
"Ich wär´ dann auch wieder soweit" hat Helges künftiger Vater Helmut zuvor den Kopulationsakt angekündigt, und die Geburt von Helge ließ nicht lange auf sich warten. Frau Gott teilt dem Neugeborenen sogleich seine eigene Angst zu. Die stellt sich ihm persönlich vor und ist fortan sein steter Begleiter.
Auch Helges erste Liebe wird von einer "Frau Angst" beherrscht. Da ist es kein Wunder, dass beide Ängste aufeinander treffen. So von Angst zu Angst tauscht man sich schließlich auch mal gerne aus: "Wie viele Zusammenbrüche machen Sie denn im Monat?"
Es ist eine verquere Welt, die dem Zuschauer hier dargeboten wird: Gott ist weiblich, säuft wie ein Loch, und das mit dem Licht klappt auch nicht mehr wie früher. Frau Tod ist eine Rampensau und eher unklassisch in ihrer Rolle als Animateurin. Auch Helges Eltern sind in ihrer jeweiligen Geschlechterzuordnung einiger Willkür unterworfen. In der Werbepause gibt es Kleintierbegattungshilfen, und das mit dem Sex kommt - zum Bedauern des angewiderten Tapirs - auch nicht zu kurz.
Kuschewski hat mit der Inszenierung eines solch ungewöhnlichen Stückes einigen Mut bewiesen. Der Charme dieses durchaus gesellschaftskritischen Stückes liegt nicht allein in der verdrehten Wirklichkeit. Es sind vor allem die beeindruckenden schauspielerischen Leistungen der Laiendarsteller, die den Humor ins rechte Licht zu rücken wissen und auf der ganzen Linie überzeugen.
Die letzten beiden Vorstellungen von "Helges Leben" finden übrigens am Samstag (11. Juni) und Sonntag (12. Juni) jeweils um 20 Uhr im TaSch statt.
 
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