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Text von Samstag, 24. Dezember 2005

> s o n s t i g e s<
  
 Kleine Detektive: Drei Jungen stellten Räuber 
 Marburg * (fjh/pm)
Drei kleine Detektive und ein vierter Mann sorgten am Mittwoch (21. Dezember) für die Festnahme eines Mannes. Er steht im Verdacht, einen versuchten und einen vollendeten Raub begangen zu haben.
Polizeipräsident Manfred Schweizer lädt die erfolgreichen Helfer im Januar zur Polizeidirektion Marburg ein und bedankt sich persönlich mit einem kleinen Geschenk.
Die Kinder Johannes B., Jan B., und Christoph S. aus Marburg beobachteten am Mittwoch am Fußweg an der Lahn einen Handtaschenraub. In sicherer Entfernung verfolgten die Jungen im Alter von zwölf und 13 Jahren den Täter. Auf dem Weg bezogen sie einen 21-jährigen Mann ein und baten ihn, die Polizei zu verständigen. Alle vier blieben in Sichtweite des Täters und informierten die Polizei dauernd via Handy über seinen Standort.
An der Fußgängerüberführung von der Uferstraße zum Schülerpark nahm eine Streife den Mann dank dieser tatkräftigen Unterstützung fest. Der Festgenommene, ein 25-jähriger Mann aus Kirchhain, ist der Polizei kein Unbekannter. Am Donnerstag (22. Dezember) erließ der zuständige Richter gegen ihn einen Haftbefehl. Der Beschuldigte befindet sich jetzt in der Justizvollzugsanstalt.
Der Handtaschenraub ereignete sich gegen 13.25 Uhr auf dem Fuß-/Radweg entlang der Lahn zwischen der Uferstraße und dem Rudolphsplatz. In Höhe des Biedermeier-Häuschens verspürte eine 50-jährige Marburgerin ein Ziehen an der Handtasche, die sie über der rechten Schulter trug. Sie drehte sich um und sah sich einem jungen Mann gegenüber, der versuchte, die Handtasche an sich zu bringen.
Der Räuber schubste sein Opfer. Er traf mit der flachen Hand die Nase und brachte die Frau ins Taumeln. Sie schaffte es gerade noch, einen Sturz zu verhindern, konnte nun aber ihre Handtasche nicht mehr festhalten.
Sie schrie laut um Hilfe, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die drei Kinder reagierten als einzige. Sie liefen dem Flüchtenden hinterher.
Die Kinder handelten dabei wie Profis nach dem Lehrbuch. Sie blieben in Sichtweite hinter dem Räuber. Richtigerweise brachten sie sich dabei aber nicht in Gefahr.
Auf dem Fluchtweg des Täters sprachen sie einen 21-jährigen Handy-Besitzer aus Marburg an. Die Drei verlangten von ihm einen Anruf bei der Polizei, weil sie einen Räuber verfolgten.
Der junge Mann realisierte die Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit der Aussagen. Er lief nun hinter den Kindern her und informierte über eine "Handy-Standleitung" die Polizei über den jeweiligen Aufenthaltsort des Verfolgten. Dabei lieferte er zudem eine hervorragende Beschreibung ab.
Die Polizei fahndete zu diesem Zeittpunkt schon nach dem Räuber, weil das Opfer kurz vorher angerufen hatte. Dank der tatkräftigen Unterstützung der Verfolger konnte sie den Räuber schnell dingfest machen. Er hatte die geraubten Sachen noch bei sich. Das schockierte und leicht an der Nase verletzte Opfer erhielt sein Eigentum gleich zurück.
Der Festgenommene hatte vermutlich am gleichen Tag unmittelbar vor dem Handtaschenraub eine weitere Straftat begangen. Kurz nach 13 Uhr hatte er versucht, einer 24-jährigen Frau die Geldbörse wegzunehmen, als sie Geld von einem Automaten am Erlenring abhob. Der Täter umfasste die Hände der Frau, als sie die Scheine und die Scheckkarte in ihr Portemonnaie steckte. Mit den Worten "Gib´s bitte her, es wird auch nicht wehtun" versuchte der Räuber, die Geldbörse an sich zu nehmen.
Der jungen Frau gelang es jedoch, ihre Geldbörse fest zu halten, sich von dem Mann loszureißen und davonzulaufen. Ihre Beschreibung des Tatverdächtigen passte genau auf den später Festgenommenen.
In seiner Vernehmung äußerte der vermutlich unter dem Einfluss von Medikamenten oder Drogen stehende Mann, sich nicht mehr an die Vorfälle erinnern zu können.
Die beraubte 50-jährige Marburgerin zeigte sich über das Verhalten der Kinder ganz besonders erfreut und sorgt nach ihren Angaben für ein weihnachtliches Dankeschön.
 
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