Sie sind hier: marburgnews >
Heute ist Donnerstag, 1. Oktober 2020

Text von Freitag, 22. Oktober 2004

> b i l d u n g<
  
 Salzkanäle: Kinderarzt erhält Jan-Brod-Preis 
 Marburg * (lyg/pm)
Ein Marburger Kinderarzt erhält den Jan-Brod-Preis für die Aufklärung eines angeborenen und lebensbedrohenden Salzverlusts durch die Niere. Das gab die Philipps-Universität am Donnerstag (28. Oktober) bekannt.
Prof. Dr. Siegfried Waldegger von der Universitäts-Kinderklinik der erhielt am Mittwoch (27. Oktober) bei der Jahresversammlung der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover (GdF) den mit 5.000 Euro dotierten Jan-Brod-Preis. Diese Auszeichnung würdigt Waldeggers Aufklärung der Ursache eines angeborenen und lebensbedrohenden Salzverlustes durch die Niere. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die mit Innenohrtaubheit einhergeht. Der von der Solvay Arzneimittel GmbH aus Hannover gestiftete Preis wird jährlich vergeben. Er richtet sich an Autoren herausragender - in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichter - Untersuchungen zur Förderung der klinischen Forschung, speziell auf den Gebieten von Kreislauf- und Nierenerkrankungen.
Waldegger und seine Marburger Kollegen Prof. Dr. Hannsjörg W. Seyberth, Dr. Karl Peter Schlingmann und Dr. Nikola Jeck veröffentlichten ihre Arbeit im US-amerikanischen "New England Journal of Medicine". Dieses Magazin zählt zu den angesehensten medizinischen Fachzeitschriften.
Die Marburger Kinderärzte haben die angeborene Krankheit mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht. Dabei identifizierten sie Gen-Defekte, die mit einem Verlust der Funktion zweier Chloridkanäle verbunden sind. Diese Kanäle sind sowohl für den Kochsalztransport in den Nierenkanälchen als auch für den Chlorid-Ionen-Transport im Innenohr verantwortlich. Bisher war nur die Bedeutung eines der beiden Chloridkanäle (ClC-Kb-Kanal) für die Funktion der Niere bekannt. Durch den nun erstmals beobachteten zusätzlichen Ausfall eines weiteren Chloridkanals (ClC-Ka), entwickelt sich bereits im Mutterleib eine krankhafte Fruchtwasservermehrung aufgrund der Harnflut bei dem noch ungeborenen Kind.
Den häufig zu früh geborenen Kindern droht ein massiver Flüssigkeitsverlust, der ohne rechtzeitige Behandlung zum Kreislaufschock und zum Tod des Frühgeborenen führen kann.
Mit der Erkenntnis von Waldegger ist es jetzt möglich, neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen für Patienten mit dieser seltenen Krankheit zu entwickeln. "Noch bedeutender für die Gesamtmedizin ist aber", so Waldegger, "dass mit diesem Wissen neuartige wassertreibende Medikamente entwickelt werden können, die bei der Behandlung von häufigen Erkrankungen wie der Herzinsuffizienz oder des hohen Blutdrucks eingesetzt werden können."
 
 Ihr Kommentar 


Bildung-Archiv






© 2004 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg