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Text von Montag, 11. Oktober 2004

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 Sybel und Zeller: Spiegel des 19. Jahrhunderts 
 Marburg * (fjh/pm)
"Schreiben Sie vor allem, was in Marburg, wenn etwas passiert ist!" Diese Aufforderung des Gelehrten Heinrich von Sybel an seinen Marburger Kollegen Eduard Zeller hat der neuen Ausstellung zum Leben an der Philipps-Universität im 19. Jahrhundert den Namen gegeben. Die Ausstellung wird am Donnerstag (14. Oktober) um 17 Uhr in der Universitätsbibliothek eröffnet.
Anlass der Ausstellung ist die kürzlich erschienene Edition der 151 Briefe zwischen den bedeutenden Gelehrten von Sybel und Zeller, herausgegeben von der Historikerin Dr. Margret Lemberg. In Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek konzipierte Lemberg nun auch diese Ausstellung.
Vollständig erhaltene Briefwechsel aus dem 19. Jahrhundert sind nicht allzu häufig, aber ein geschlossener Briefwechsel aus dieser Zeit, der über mehr als 45 Jahre reicht, ist selten. Solch eine ununterbrochene Korrespondenz zweier - zudem noch bedeutender Gelehrter - besitzt die Marburger Universitätsbibliothek.
Der Briefwechsel setzt am 5. April 1849 mit den Problemen um die Berufung Eduard Zellers von Bern nach Marburg ein und spiegelt somit deutlich die politische Situation in Marburg in der Endphase der 48er Revolution.
Die Ausstellung stellt nicht nur die beiden Helden und ihre Familien vor, sondern bezieht beider Freunde und Kontrahenten mit ein. So entsteht ein Bild der Universität in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine andere Facette zeigt das außeruniversitäre Engagement der Briefpartner. Zum einen nahm der liberalkonservative Sybel durch Parteigründung, Reden, Resolutionen und durch Übernahme eines Abgeordnetenmandats in der Ständekammer in Kassel aktiven Anteil an der Revolution 1848/49. Seinem engen Freund Bruno Hildebrand, einem Liberaldemokraten, gelang es, als Vertreter Marburgs in die Nationalversammlung in Frankfurt gewählt zu werden. Zum anderen gründeten Zeller und Sybel zusammen mit dem Bürgermeister David Lederer einen privaten Armenpflegeverein in Marburg und fanden bereitwillige Helfer unter Frauen und Männern ihrer Umgebung. Zum dritten organisierte Zeller zusammen mit seinem Intimfeind, dem orthodoxen Lutheraner August Vilmar, die dreitägige Schiller-Feier in Marburg im Jahre 1859.
Durch Auszüge aus den Briefen, durch Portraits und Photographien, durch Werkausgaben, Arbeitsmittel, zeitgenössische Anschläge und Plakate versucht die Ausstellugn, das kulturelle Leben der Universitätsstadt Marburg lebendig werden zu lassen. Gemälde aus dem Universitätsmuseum und dem Rathaus sowie eine wiedergefundene Büste Heinrich von Sybels von Fritz Schaper bereichern das Marburg-Bild dieser Jahre zusätzlich.
 
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