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Text von Sonntag, 6. Juni 2004

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 Krebsforschung: 5 Millionen für Sonderforschungsbereich 
 Marburg * (fjh/pm)
Zur Erforschung der Krebsentstehung erhhält die Philipps-Universität Marburg Gemeinsam mit der Universität Würzburg rund fünf Millionen Euro.
Den neuen Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TR) haben die Philipps-Universität und die Universität Würzburg gemeinsam bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beantragt. Bis zum Jahr 2008 hat sie dafür rund fünf Millionen Euro bewilligt.
Im Rahmen des SFB/TR namens "Ras-dependent pathways in human cancer" soll die zelluläre Signalübertragung durch sogenannte Ras-Proteine und die Krebsentstehung erforscht werden. Sprecher des Transregios ist Prof. Dr. Martin Eilers vom Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung der Philipps-Universität.
Die DFG begründete die Vergabe an die Universitäten Marburg und Würzburg unter anderem damit, dass an diesen Standorten die international größte Gruppe arbeitet, die in koordinierter Weise die Ursachen und Entstehung von Krebs erforscht. Die hohe Zahl der beteiligten ausländischen Wissenschaftler war ein weiterer Grund für die positive Entscheidung. Tumorbiologie und Onkologie bilden an beiden Standorten seit vielen Jahren einen Forschungsschwerpunkt.
"Trotz enormer Fortschritte in der Molekularbiologie von Tumoren ist die Wissenschaft weit davon entfernt, mechanistisch, also auf Molekül-Ebene, zu verstehen, wie zentrale biologische Eigenschaften von Tumoren entstehen", erläuterte Eilers am Montag (7. Juni) in Marburg. Das gelte zum Beispiel für das unkontrollierte Zellwachstum, das Verhindern von Apoptose (Zelltod), stärker noch für den Verlust gewebstypischer Eigenschaften, die Bildung von Metastasen und die Antwort auf Chemotherapeutika. Damit rücke ein Verständnis menschlicher Tumorerkrankungen in weite Ferne.
Die Untersuchungen im Rahmen des neuen Transregio werden sich nun auf Störungen in den Signalwegen konzentrieren, die das Zellwachstum steuern. "Wir erwarten, auf diese Weise das Entstehen vieler Tumoreigenschaften erklären zu können", begründete Eilers die Vorgehensweise.
Störungen in den Signalwegen werden durch Mutationen in sogenannten Ras-Genen ausgelöst. Die von ihnen produzierten Ras-Proteine sind Bestandteile von Zellen und wirken als "Schalter", die Signale von außerhalb der Zellen in Veränderungen innerhalb der Zelle umsetzen. So können Ras-Proteine zum Beispiel die Teilung von Zellen veranlassen. Sind sie jedoch das Produkt mutierter Ras-Gene, verändert sich unter Umständen ihre Funktion, sodass sie zum Beispiel die unkontrollierte Teilung von Tumorzellen auslösen.
Die Projekte der Forscher sind in drei Bereiche eingeteilt, von denen sich der erste mit den biologischen Phänomenen beschäftigt, die durch Ras kontrolliert werden ("Signal Transduction through the Ras Pathway"). Der zweite Teilbereich beschäftigt sich mit der Frage, wie Mutationen in Ras-Genen den "Haushalt" verschiedener Zelltypen durcheinanderbringen ("Cellular Responses to Ras and their Genetic Control"). Der dritte Teilbereich zielt darauf ab, primär klinische Phänomene, die auf eine Rolle von Ras zum Beispiel in der Antwort auf Chemotherapeutika verweisen, molekular zu analysieren ("Ras-dependent signaling in human tumors").
Unter Transregios versteht die DFG Sonderforschungsbereiche, die an mehreren Standorten angesiedelt sind. Die Beiträge der Kooperationspartner müssen für das gemeinsame Forschungsziel essentiell, komplementär und synergetisch sein. Mit Hilfe von Transregios will die DFG die überregionale Vernetzung von fachübergreifenden Forschungsinteressen und materiellen Ressourcen erreichen.
 
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