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Text von Mittwoch, 5. Mai 2004

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 Heers heere Ziele: Enthüllungen über die Täter 
 Marburg * (vic)
Über die alte und die neue Wehrmachtsausstellung sowie über Opfer und Täter der Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg berichtete Hannes Heer am Dienstag (4. Mai) im Kulturladen KFZ . Der in Hamburg lebende Historiker stellte dort sein neues Buch "Vom Verschwinden der Täter- der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei" vor.
Darin schildert der 63-jährige, wie die Täter angeblich nichts von den Verbrechen gewußt haben wollen und sich stattdessen selbst als Opfer der Alliierten darstellen. Diese Verdrängungstaktik wird auch mit Beispielen aus der gängigen Literatur belegt.
Beim Hamburger Institut für Sozialforschung war Heer für die erste Wehrmachtsausstellung verantwortlich. Diese Präsentation war im Oktober 1999 zurückgezogen worden, weil konservative Historiker behaupteten, 80 % der Bilder seien falsch. Es habe sich aber herausgestellt, dass lediglich zwei Bilder im Archiv falsch beschriftet worden waren.
Hinter dem Scheitern der Ausstellung vermutet Heer eine Kampagne von konservativen politischen Strömungen und ihrer Medien gegen sich und die erfolgreiche Ausstellung.
Der Export zur "Internationalisierung" der Ausstellung sei damalls nämlich gerade angelaufen. Anscheinend fürchteten bestimmte Kreise einen Ansehensverlust Deutschlands, wenn die Ausstellung auch im Ausland gezeigt worden wäre.
Die Ausstellungsmacher seien dann vor dem Druck der öffentlichen Meinung "eingeknickt" und hätten die Ausstellung zurückgezogen.
Heer wurde vom Institut daraufhin entlassen. Eine neue Wehrmachtsausstellung wurde erarbeitet. Doch seien nach seiner Ansicht fast alle kritischen Passagen daraus entfernt worden. Symthomatisch sei, das konservative Medien die neue Ausstellung in den höchsten Tönen loben.
Im ersten Kapitel seines Buches vergleicht Heer die beiden Ausstellungen und bezeichnet die neue Variante als "Konsensausstellung ". Die Fragen "wer waren die Täter?" und "warum konnten sie ihre Taten so rechtfertigen?" würden darin nicht mehr ausreichend beantwortet.
Heer berichtet in seinem Werk über drei Hauptstrategien, die zur Verdrängung der Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg herangezogen worden seien:
Die erste war die Unterscheidung zwischen "gut" und "böse". Viele der Beteiligten hatten behauptet, dass die meisten Deutschen "gut" gewesen seien. Es habe nur einige wenige "böse" gegeben, die aber nicht namentlich genannt, sondern als "die Anderen" bezeichnet wurden.
Die zweite Strategie sei die Verkehrung des Prinzips von Opfer und Täter. An Verbrechen beteiligte Täter hätten sich selbst als Opfer der Aliierten dargestellt. Sie seien vom Nazi-Regime zu all dem gezwungen worden und hätten nicht anders handeln können. Ferner seien die Deutschen von den Alliierten bombardiert und vertrieben worden und seien daher das Opfer.
Die dritte Strategie sei der Versuch gewesen, die Judenvernichtung auf die Konzentrationslager zu beschränken, was nachweislich falsch ist. Ein Drittel der Juden wurde nämlich von der Wehrmacht an der Ostfront ermordet. Somit sei die Legende von der "sauberen Wehrmacht" entlarft

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