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Text von Montag, 24. Mai 2004

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 Virologie: Neues S4-Hochsicherheitslabor 
 Marburg * (fjh/pm)
Ein neues Hochsicherheits-Labor will das Institut für Virologie der Philipps-Universität auf den Lahnbergen einrichten. Voraussichtlich ab März 2007 wollen die Marburger Gen-Forscher in einem neuen Labor der höchsten Sicherheitsstufe 4 gemäß dem Gentechnikgesetz arbeiten.
Derzeit ist das Vorhaben in der Phase der Entwurfsplanung. Sobald die Genehmigung erfolgt ist, wird es vom Regierungspräsidium Gießen (RP) als Genehmigungsbehörde im Rahmen des Genehmigungsverfahrens öffentlich bekanntgemacht.
Rund 10 Millionen Euro soll das neue Labor kosten. Bauherr ist das Land Hessen. Mit der Durchführung beauftragt sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Hessische Ministerium der Finanzen. Die Initiative für das Projekt geht auf das Land Hessen, das Universitätsklinikum sowie den Fachbereich Medizin der Philipps-Universität zurück.
Das Institut für Virologie wird mit dem neuen Labor unter anderem über erweiterte Diagnose-Kapazitäten verfügen, um Virus-Epidemien in Deutschland und weltweit schnell zu erkennen und Hilfe bei deren Eindämmung zu leisten. Vor rund einem Jahr war es daran beteiligt, dass der Erreger der Lungenkrankheit SARS bereits zwei Wochen nach dem ersten Verdachtsfall identifiziert und sequenziert werden konnte.
Schon jetzt ist das Institut in nationale und internationale Alarmpläne eingebunden, die bei Verdachtsfällen kurzfristige Maßnahmen in die Wege leiten. Angesichts dieser Verantwortung misst auch der Wissenschaftsrat dem Bau des Labors hohe Priorität bei.
Labore der Sicherheitsstufe S4 existieren in Deutschland bislang nicht. Lediglich zwei weitere Labore befinden sich am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sowie am Berliner Robert-Koch-Institut in Planung. In S4-Laboren können Forscher unter anderem auch mit "rekombinant veränderten" Viren arbeiten. Solche Viren haben sich als zunehmend wichtiges Instrument für die Diagnose erwiesen. Derartige Organismen, die nach gentechnischen Veränderungen etwa aus dem Ebola-, dem Lassa- oder dem Marburg-Virus hervorgehen, dienen der Untersuchung, welche Virenbestandteile dafür verantwortlich sind, dass Infektionen mit diesen Krankheitserregern in bis zu 90 Prozent aller Fälle tödlich verlaufen. Ist die Funktionsweise der Viren erst einmal bekannt, können entsprechende Medikamente entwickelt werden.
Das neue Labor in Marburg genügt höchsten Sicherheitsstandards auf dem aktuellen Stand der Technik. Obwohl sich Viren lediglich auf Aerosolen - Flüssigkeitspartikeln in der Luft - verbreiten können, wird das Gebäude sogar gasdicht ausgelegt. Damit ist es selbst für die viel kleineren Gasmoleküle undurchdringlich.
Redundanzen der technischen Anlagen sorgen für weitere Sicherheit. So sind etwa Stromgenerator und Lüftungsanlagen gleich mehrfach vorhanden. Der Ausfall einer Anlage führt also nicht zu Störungen im Betriebsablauf.
Zudem wird das Gebäude mit Videokameras überwacht werden und einbruchsicher ausgelegt sein.
Die Erforschung von Viren in Marburg hat eine lange Tradition. Sie geht auf die Entdeckung des Marburg-Virus im Jahre 1967 zurück. In der Folgezeit ist das Institut für Virologie zu einer der weltweit führenden Forschungsstätten auf diesem Gebiet geworden. Derzeit steht den Marburger Virologen ein sogenanntes L4-Labor zur Verfügung. Dort forschen die Marburger Virologen an Ebola-, Lassa- oder Marburg-Viren. Molekularbiologische Arbeiten an diesen Organismen sind hier aber nur eingeschränkt möglich.
 
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