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Text von Montag, 15. März 2004

 
Jubiläumsjahr: Marburg feiert Emil von Behring
  Marburg * (FJH)
"Bei Robert Koch ist jetzt ein ganz merkwürdiger Kerl, ein Stabsarzt. Er will bei Infektionskrankheiten den Organismus innerlich desinfizieren und macht alle möglichen und unmöglichen Versuche. Er ist erfüllt von einer unheimlichen Arbeitswut und dabei von geradezu pedantischer Genauigkeit. Niemand im Institut kann sich seinem Einfluß entziehen. Wir erwarten Außerordentliches von ihm." Mit diesen Worten charakterisierte ein Zeitgenosse vor mehr als 100 Jahren den jungen Emil Behring. Der Arzt und Immunologe wurde am 15. März 1854 im ostpreußischen Hansdorf geboren. 1904 eröffnete er in Marburg eine pharmazeutische Fabrik, um möglichst viele Patienten mit dem von ihm entdeckten Diphterie-Impfstoff zu versorgen.
Das 100-jährige Bestehen der Marburger Pharma-Produktion und den 150. Geburtstag ihres Gründers feiern die Behring-Nachfolgeunternehmen im Herbst. Gut 90 Jahre lang trug Marburgs größtes Industrieunternehmen den Namen des bedeutenden Arztes und Immunologen; 1995 wurde die Behringwerke AG in sieben unterschiedliche Firmen aufgeteilt.
Am 4.Dezember 1890 erschien in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift der Artikel von Emil Behring und seinem japanischen Forscherkollegen Shibasaburo Kitasato über "Das Zustandekommen der Diphterie- und Tetanusimmunität". Mit dieser Veröffentlichung begann für Behring eine Blitzkarriere. Bereits ein Jahr nach der ersten Erprobung des Diphterie-Heilserums am Menschen wurde Behring 1894 zum Professor berufen.
Schon damals wussten Marburgs kleinkarierte Hochschullehrer wahre Größe nicht zu schätzen: Gegen erbitterten Widerstand der ortsansässigen Professorenschaft übernahm Behring 1895 auf Anordnung der preußischen Regierung die Leitung des Marburger Hygiene-Instituts.
Als erster Preisträger überhaupt erhielt er 1901 den Nobelpreis für Medizin; im selben Jahr wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Für seine Impfaktionen gegen Tetanus während des 1. Weltkrieges erhielt der 1854 im westpreußischen Hansdorf geborene Stabsarzt das Eiserne Kreuz.
Zunächst versuchte Behring, seine Entdeckung über die Frankfurter Hoechst AG zur Serienreife zu bringen. Dabei zerstritt er sich aber mit seinem Forscherkollegen Paul Ehrlich, der seinerseits Ansprüche auf Vermarktungsrechte erhob.
Doch Behring wollte die von ihm entdeckten Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen so schnell wie möglich zu einer massenhaften Produktion nutzen. Gleichzeitig warnte er aber auch vor einer allzu schnellen Erprobung des Heilserums am Menschen.
Behrings Entdeckung der spezifischen Antikörper für Diphterie und Tetanus rettete Tausenden von Menschen das Leben, starben doch um die Jahrhundertwende noch bis zu 70.000 Kinder jährlich an Diphterie.
 
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