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Text von Donnerstag, 12. Februar 2004


 
Ware Wissen: "Modernisierung" der Universität
  Marburg * (FJH/pm)
Eine "Modernisierung" an den deutschen Hochschulen halten Bundeskanzler und Bildungspolitiker aller Parteien, Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Universitätspräsidenten für dringend geboten. Viel zu provinziell und ineffizient gehe es da zu, meinen sie. ÜBer "Die deutsche Universität - Ein kritischer Durchgang durch Wissenschaft, Ausbildung und Hochschulreform heute" referiert Egbert Dozekal von der Fachhochschule frakfurt am Donnerstag (12. Februar) um 19 Uhr im Hörsaalgebäude. Veranstalter ist das Referat für Politische Bildung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA).
Wenn man die "unverzichtbare Ressource Wissen in unserem rohstoffarmen Land" auch in Zukunft am Sprudeln halten will, braucht Deutschland dringend mehr und bessere Bildung. Schließlich war Wissen noch nie so wertvoll wie heute - in der "globalen Wissensgesellschaft". Dieser Diagnose schließt sich auch die überwiegende Zahl der Studierenden an, die gegen die Kürzungen an den bundesdeutschen Hochschulen und gegen die Einführung von Studiengebühren protestieren.
Bezeichnend ist allerdings die Reform, die aus dieser Diagnose folgt. Da ist dann nicht von mehr Wissen, sondern von mehr Wettbewerb die Rede. Effiziente Hochschulen sind nicht etwa solche, die den akademischen Nachwuchs solide und umfassend mit dem in der Wissensgesellschaft akkumulierten Wissen vertraut machen, sondern solche, die nach den Maßstäben betriebswirtschaftlicher Vernunft und internationaler Hochschulpraxis durchrationalisiert sind .
"Mehr Wettbewerb" lautet das Reform-Rezept: weniger staatliche Geldzuweisungen, dafür aber mehr Freiheiten der Hochschulen bei der Einwerbung von Sponsorengeldern und Drittmitteln, mehr Kurzstudiengänge mit Bachelor-Abschluss, aber auch mehr Elitekurse mit entsprechenden Studiengebühren, mehr Konkurrenz der Hochschulen um Studierende sind die Folge diser Konzepte inklusive der Schließung ganzer Fachbereiche, wenn sie keine "Leistung" bringen.
Worin eigentlich die Leistung von Wissenschaft und Ausbildung genau besteht, darüber erfährt man weniger von all den Bildungspolitikern, die die Hochschulen in "moderne Dienstleistungszentren" für ihre "Kunden" verwandeln möchten. Genau darum soll es in dem Vortrag zur deutschen Universität gehen. Dozekal e rklärt, wie die "Freiheit von Forschung und Lehre" den Dienst an kapitalistischer Marktwirtschaft und demokratischem Staat organisiert und wie das "Recht auf Bildung für alle" den Ausschluss der Mehrheit des Nachwuchses von höherer Bildung und die Sortierung der akademischen Minderheit auf die höheren Posten in der Berufs-hierarchie garantiert. Thematisieren will er auch, was die regierenden Modernisierer bewegt, und wie ihre "leistungsorientierten Reformen" die Ausbildungskonkurrenz an den Hochschulen verschärfen.
 
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