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Text von Samstag, 13. November 2004

> s o z i a l e s<
  
 Lebensabend in Würde: Bundeskonferenz der Lebenshilfe 
 Marburg * (fjh/pm)
Auf eine Milliarde Euro wird der Mehrbedarf an Eingliederungshilfe für die immer größer werdende Gruppe alter und schwer mehrfach behinderter Menschen geschätzt. Darauf hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe am Samstag (13. November) auf ihrer Mitgliederversammlung in der Marburger Stadthalle aufmerksam gemacht. Die rund 500 Delegierten aus ganz Deutschland forderten die Politiker auf, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Schwächsten der Gesellschaft nicht im Stich zu lassen.
Erstmals steht Deutschland vor der Herausforderung, Betreuungsstrukturen für alt werdende Menschen mit geistiger Behinderung aufzubauen. Die grauenhafte "Euthanasie" der Nazis im Dritten Reich hat dazu geführt, dass eine ganze Generation von Menschen mit geistiger Behinderung ausgelöscht wurde und erst jetzt eine wachsende Zahl alt gewordener geistig behinderter Menschen ins Blickfeld rückt. Zugleich nimmt die Zahl sehr schwer und mehrfach behinderter Menschen zu, die besondere Hilfsangebote brauchen. Um die Kommunen zu entlasten, müsse der Gesetzgeber schnellstens handeln, am besten mit einem bedarfsgerechten Bundesbehindertengeld, forderte die Lebenshilfe.
Dagegen lehnt der 130.000 Mitglieder starke Verband einen Gesetzentwurf des Bundesrates zur Entlastung der Kommunen im sozialen Bereich (KEG) aufs Schärfste ab: "Wenn dieser Vorschlag Gesetzeskraft erlangen würde, wäre der Willkür Tür und Tor geöffnet, weil künftig jeder Bürgermeister, jeder Landrat selbst entscheiden könnte, welche Vergütungen an die Einrichtungen und Dienste der Behindertenhilfe gezahlt werden", erklärte Robert Antretter. Den 65-jährigen aus Backnang bestätigten die Delegierten als Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe für weitere vier Jahre in seinem Amt.
 
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