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Text von Dienstag, 13. July 2004

> s o z i a l e s<
  
 Junge, Junge: Zur Kriese auf dem Arbeitsmarkt 
 Marburg * (fjh/pm)
"Die Krise auf dem Arbeitsmarkt und ihre Auswirkungen auf männliche Jugendliche" stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Arbeitskreises Jungenarbeit beim Landkreis Marburg - Biedenkopf. Dazu hatte er Männer aus unterschiedlichen pädagogischen Arbeitsfeldern in die Kreisverwaltung eingeladen.
Als Referent trat Uli Boldt auf. Er ist Lehrer an der Martin - Niemöller - Gesamtschule in Bielefeld auf. In Fachkreisen ist er auch durch seine Jungenbücherbekannt.
Eine Untersuchung an Hamburger Schulen kommt zu dem Ergebnis, dass die Umbrüche in der Arbeitswelt bei den Jungen in Bezug auf die Berufsorientierung zu einer starken Verunsicherung führen. Bei vielen Jungen sei auch heute noch das traditionelle Männerbild vom Ernährer der Familie im Kopf verankert. Dies entspreche aber nicht mehr der heutigen Realität, da Frauen auch in einer Partnerschaft einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen. Auch die männliche Erwerbsbiografie werde künftig durch einen Wechsel der Zeiten mit und ohne Arbeit gekennzeichnet sein.
Von den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss sind fast zwei Drittel Jungen. Das erschwere eine Ausbildungsplatzsuche sehr erheblich. Gerade diese Jungen seien von der Krise auf dem Arbeitsmarkt betroffen, da Jobs gerade dort immer knapper werden, wo ein starker Körper von Vorteil ist.
Kommunikationsfähigkeit und Dienstleistungsbereitschaft seien hingegen zumeist nicht die Stärke der Jungen. Gerade sie zählen aber zu den Schlüsselqualifikationen einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft.
Für Boldt müssen Jungen in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt werden, damit sie den gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen sind. Jungen benötigten vor allem auch männliche Leitbilder in Familie, Schule und Jugendarbeit, um eine zukunftsorientierte Idee von Männlichkeit zu entwickeln.
Wie dies konkret in Schule und Jugendarbeit umgesetzt werden kann, stellte der Referent den Teilnehmern anschaulich aus seiner Praxis vor. So seien der Erwerb eines Haushaltspasses sowie Mädchen- und Jungenkonferenzen Alltag an seiner Schule. Und was würde dagegen sprechen, Jungen darin zu motivieren und zu bestärken - einmal ein Praktikum im sozialen Bereich - zum Beispiel im Kindergarten - zu machen?
Für Dr. Karsten McGovern ist ein geschlechtsdifferenziertes Angebot auch für die Jungen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen Wirklichkeit wird. In diesem Zusammenhang verwies der Jugenddezernent auf die Homepage des Landkreises, wo seitens der Jugendförderung/Jugendbildungswerk die bewusste Jungenarbeit des Landkreises vorgestellt wird.
 
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