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Text von Donnerstag, 1. July 2004

> s o z i a l e s<
  
 Studium mit Kind: Hochschule muss noch lernen 
 Marburg * (sts)
Nur zwischen sechs und sieben Prozent der Studierenden in Deutschland haben ein oder mehr Kinder. 40% aller Akademikerinnen bleiben ihr Leben lang kinderlos. Die Hintergründe dieser Zahlen erläuterte die Frauenbeauftragte der Philipps-Universität Dr. Silke Lorch-Göllner bei einer öffentlichen Sitzung der Gleichstellungskommission der Stadt Marburg am Mittwoch (30. Juni) im Stadtverordnetensitzungssaal.
Die Kinderlosigkeit sei letztlich weniger eine Lebensentscheidung, sondern vielmehr durch strukturelle Probleme bedingt. Vor allem die schwierige Koordination von Familie und Beruf spiele dabei eine wichtige Rolle.
In ihrem Vortrag "Studieren mit Kind" nahm Lorch-Göllner Bezug auf zwei Studien aus dem Jahr 2002. Darin wurde deutlich, dass die Gruppe der Studierenden mit Kind deutlich andere Lebensverhältnisse aufweist als die Gruppe der Kinderlosen. Im Schnitt sind die Eltern-Studierenden zehn Jahre älter, erwerbstätig und haben einen sehr straff organisierten Alltag. Sie studieren hauptsächlich Fächer wie Sozialwissenschaften, Psychologie oder Pädagogik.
Ihr Studium läuft meist nicht so geradlinig. Jede zweite studentische Mutter hat ihr Studium schon einmal unterbrochen.
"Das größte Problem ist die Terminplanung von Studium und Kinderbetreuung. Die Universität nimmt zu wenig Rücksicht auf die Belange der Studierenden mit Kind", sagte Lorch-Göllner aus ihrer eigenen Beratungserfahrung.
Fehlende hochschulnahe Kinderbetreuungseinrichtungen und ein generell kinderunfreundliches Klima an der Hochschule seien weitere negative Faktoren. Besonders bei Prüfungen, Abschlussarbeiten oder Praktika entstünden aus dem Zeitdruck resultierende Schwierigkeiten. Auch weniger werdende Sozialkontakte wurden moniert.
"Es sind Ansätze zur Verbesserung der Situation vorhanden. Sie müssten nur schneller umgesetzt werden", sagte Lorch-Göllner mit Verweis auf den Frauenförderplan der Philipps- Universität. Die Umsetzung müsste hierarchisch von der Hochschulleitung bis zum einzelnen Dozenten vorangetrieben werden. Hier sei noch viel Potential vorhanden.
Abseits aller Probleme würde dennoch die überwiegende Mehrheit der Studierenden mit Kind denselben Weg wieder gehen. Lorch-Göllner führte dies darauf zurück, dass die Freude über das Kind eben auch viel Stress und Mühe kompensiere.
Neben der Frauenbeauftragten steht Studierenden mit Kinderwunsch auch die Zentrale Arbeitsstelle für Studienorientierung und beratung (ZAS) zur Seite. Dort ist auch die Broschüre "Studieren mit Kind" erhältlich, in der alles Wissenswerte zu diesem Thema zu finden ist.
 
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