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Text von Sonntag, 30. Mai 2004

> s o z i a l e s<
  
 Schufte: Ein Feiertag für die Bosse 
 Marburg * (fjh)
"Der Pfingstmontag ist so etwas von überflüssig, dass man ihn sofort abschaffen sollte!" So oder ähnlich klingt es seit einigen Jahren aus Unternehmerkreisen. In Deutschland gebe es zu viele Feiertage. Die Deutschen arbeiteten einfach zuwenig!
Mit unbezahlter mehrarbeit könne man die marode Wirtschaft ankurbeln und so auch neue Arbeitsplätze schaffen, tönen die Unternehmerverbände. Träfe ihre Behauptung zu, dann müsste das Jahr 2004 eine deutliche Verringerung der Arbeitslosenzahl aufweisen. Denn in diesem Jahr fallen mit dem 1. Mai und dem 3. Oktober gleich zwei gesetzliche Feiertage auf das arbeitsfreie Wochenende.
Den verheißenen Aufschwung der Wirtschaft und eien Verringerugn der Arbeitslosigkeit indes hat noch niemand bemerkt. Wie auch sollten Arbeitsplätze dadurch entstehen, dass bereits bezahlte Arbeitskräfte unbezahlte Mehrarbeit leisten?
Das Einzige, was dadurch zustandekommt, ist ein höherer Profit der Unternehmen. Süßer die Kassen nie klingeln als in diesem Jahr!
Verzicht auf Feiertage wäre eine Spende der Erwerbstätigen in die Taschen ihrer Arbeitgeber. Diese armen Hungerleider haben diese Brosamen vom Tisch ihrer gutgenährten Beschäftigten auch bitter nötig!
Tagein tagaus jammern sie jedenfalls über die - ach so hohen - Kosten und die geringe Produktivität. Wie ein Stein drückt die immense Steuerlast ihre Ergebnisse nach unten. Da bleibt fast nur noch der Weg ins benachbarte, aber billigere Ausland!
Wo sie das finden wollen, verraten sie listigerweise nicht. Denn die Steuerquote in Deutschland entspricht durchaus europäischem Durchschnitt, und die Lohn-Stück-Kosten sind beinahe die günstigsten der Welt!
Jammern auf hohem Niveau mag vielleicht aber auch nutzen, scheinen die deutschen Unternehmer zu denken. Schließlich wollen sie ja noch mehr herausschinden, als sie in den letzten Jahren schon aus dem Lohn-Niveau und der Steuerquote für sich herausgepresst haben. Denn Klappern gehört zum Handwerk.
Neu ist diese Methode aber nicht. Schon ein altes arabisches Sprichwort sagt: "Das Jammern ist der Gruß der Kaufleute."
 
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