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Text von Samstag, 29. Mai 2004

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 Kasse gemacht: Das Wunder von Berlin 
 Marburg * (fjh)
Der Heilige Geist kam über sie, und sie redeten in allen Sprachen. Was sie aber zu verkünden hatten, war eine frohe Botschaft: Eine Milliarde Euro Gewinn haben die deutschen Krankenkassen seit Jahresbeginn eingefahren. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 630 Millionen Verlust gewesen!
Eingespart haben die Kassen nach der "Gesundheitsreform" am 1. Januar sowohl Behandlungskosten wegen einer geringeren Zahl von Arztbesuchen wie auch durch erhöhte Zuzahlungen. Zudem haben sich durch die neue Praxisgebühr von 10 Euro je Quartal auch die Einnahmen erhöht. Klar ist, dass die Zahl der Artztbesuche nach Einführung der Praxisgebühr an sogenannten "sozialen Brennpunkten" wie dem Waldtal überproportional stark zurückgegangen ist.
Wieviel aber von dieser Milliarde aus dem Taschengeld bettlägriger Heimbewohner herausgepresst oder von den Essensrationen Erwerbsloser abgespart worden ist, davon redet niemand. Und noch ist auch niemandem klar, wie teuer die eingesparten Gelder die Kassen später zu stehen kommen, wenn die jetzt nicht behandelten Krankheiten richtig ausbrechen.
Aber das ist ja alles nur Schwarzmalerei! Wir sollten uns mit der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt freuen. Rechtzeitig zum Pfingstfest konnte sie das Wunder bekannt geben, dass sich da in deutschen Landen ereignet hat: Die "Gesundheitsreform" hat rote in schwarze Zahlen verwandelt und schwarze Löcher in freudige Erregung!
Gefreut haben dürften sich auch die Ganoven. Sie haben seit Jahresbeginn die Arztpraxen als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. Dort finden sich immer wieder kleinere Bargeldbeträge aus der vereinnahmten Praxisgebühr.
Robin Hood bestahl die Reichen, um die Armen zu beschenken. Heute ist das umgekehrt: Bluten müssen immer nur die sozial Schwachen. Vor allem sie haben den Krankenkassen den pünktlich zum Pfingstfest vermeldeten Geldregen beschert.
Und so reden die Politikerinnen und Politiker in allen Sprachen. Verstehen muss man sie nicht. Wichtig ist nur, dass sie "gute Nachrichten" zu verkünden haben. Dabei ist ganz egal, was wirklich dahintersteht.
 
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