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Text von Donnerstag, 13. Mai 2004

> s o z i a l e s<
  
 Verletzungen: Simone K. berichtet 
 Marburg * (nim)
"Es hat sehr lange gedauert, bis ich darüber sprechen konnte", sagt Simone k. (Name von der Redaktion geändert!). Die 20 -Jährige Marburger studentin wurde am 17. dezember 2001 in ihrem Zimmer opfer eines sexuellen Übergriffs.
Nach Einschätzung von Experten ist die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen sehr hoch. Viele Frauen zeigen derartige Straftaten nicht an. Oft liegt es daran, dass dem Täter später sehr schwer nachzuweisen ist, was er getan hat.
Wenn die Opfer das geschehene aber erst verarbeitet haben, haben sie manchmal den Wunsch, einen Bericht über die Tat zu schreiben. Vielleicht gehen sie damit sogar an die Öffentlichkeit.
Simone K. hat sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen zu schildern. "Als ich im wintersemester 2001 zu studieren begann, lernte ich jemanden kennen, der mir sehr sympatisch war. Wir konnten uns sehr gut unterhalten und verabredeten uns daher öfter. Als er am Tag der Tat bei mir zu besuch war, verlangte er auf einmal, dass ich die Tür zuschließen sollle. Da weit und breit niemand da war, der mir helfen konnte, gehorchte ich. Dann passierte es. Danach stand ich zwei Wochen unter Schock. Allerdings war mir nicht bewusst, was passiert war. Ich hatte überall blaue Flecken und zwei Wochen lang fürchterliche Schmerzen. Trotzdem dachte ich, dass die Tat nicht offensichtlich genug war. Aus Angst redete ich mit niemandem darüber und ging auch nicht zum Frauenartzt. Wieder in der Uni, musste ich mit einer freundin reden. Die nahm mich mit zu einer Beratungsstelle für vergewaltigte und belästigte Mädchen."
Simone erklärt weiter, dass sie sofort eine Terapie begonnen hat. Bei der Aufarbeitung ging es ihr jedoch zunehmend schlechter. Irgendwann wurde der Druck auf sie so groß, dass sie begann, die Stimme des Täters zu hören, der ihr drohte.
Ihre Gedanken an den Tot hatte sie dank der Terapie bald halbwegs überwunden. Doch nun begann sie, sich selbst zu verletzen, indem sie sich mit Küchenmessern, Rasierklingen und Scherben schnitt. Sie benutzte alle Gegenstände, die nur irgendwie scharf waren. Danach hatte sie das Gefühl, dass Druck von ihr genommen würde. Außerdem konnte sie fast nichts mehr essen.
Wenig später wurde sie als notfall in eine Klinik eingeliefert. Dort wurden ihr sehr starke ruhigstellende Medikamente verschrieben. Nach einer Wartezeit von einem dreiviertel Jahr wurde sie in die psychosomatische Klinik Tiefenbrunn eingeliefert. Auch drei Jahre nach der Tat wird sie immer noch terapeutisch betreut.
Jetzt stellt sich für Simone die Frage, wie sie dem Täter klar machen kann, was er getan hat. Eine Anzeige währe eine sehr große Belastung für sie. Die Chance, den Prozess nach drei Jahren zu gewinnen ,erscheint sehr gering. Andererseits könnte sie es kaum ertragen, wenn der Täter ungeschoren davon käme. Schließlich fürchtet sie, er könnte auch anderen frauen das selbe antun wie ihr.
 
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