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Text von Freitag, 5. März 2004

 
Prostitution: Eine Million Männer macht mit
  Marburg * (vic)
Menschenhandel ist in den meisten Fällen Frauenhandel, der in der Prostitution endet. Dies wurde im Vortrag "Menschenhandel - Frauenhandel" besonders deutlich. Die Veranstaltung wurde vom Frauenbüro und der Frauenkommission des Landkreises Marburg-Biedenkopf organisiert. Die Besucher fanden sich dazu am Donnerstag (4. März) im Theater am Schwanhof ein.
In ihrem Vortrag nannte die Soziologieprofessorin Dr. Renate Rausch zunächst einige eindrucksvolle Zahlen: Weltweit werden derzeit etwa vier Millionen Menschen "gehandelt". Jährlich kommen etwa eine halbe Million Frauen als Prostituierte in die Europäische Union. Eine Million Männer täglich, suchen in Deutschland eine Prostituierte auf!
Die meisten Prostituierten in der Europäischen Union stammen dabei aus den "Märkten Osteuropas". Russland und die Ukraine seien hier führend, betonte Rausch. So gäbe es in Russland 200 Menschenhändlerringe, die in 58 Staaten tätig seien.
In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Zwangsprostitution. Die Opfer werden zunächst aus ihrer Heimat gelockt: Ein Job als Modell, Kellnerin oder Haushälterin wird ihnen versprochen. Im fremden Land angekommen, werden den Frauen die Pässe weggenommen. Sie werden eingesperrt, geschlagen, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen.
Hilfe in Anspruch nehmen können sie nicht, da sie gefangen gehalten werden. Das sei so Rausch, eine "Moderne Form der Sklaverei." Die einzige Möglichkeit den Qualen und ihren Zuhältern zu entrinnen, ist eine Verhaftung durch die Polizei. Doch dann werden die Frauen meistens in ihre Heimat abgeschoben. Die Angst der aufgegriffenen Frauen ist dabei so groß, dass sie Zuhälter sehr selten anzeigen und kaum gegen sie aussagen. Das macht die Bekämpfung des Frauenhandels sehr schwierig, wie die Referentin unterstrich.
Auch die Proportionen in der Strafbemessung stimmen nicht. Die Höchststrafe für Menschenhandel liegt bei zwei Jahren, während man für Drogenhandel mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann. Das begünstige Frauenhandel und Prostitution, wie in der anschließenden Diskussion betont wurde.
Die meisten Teilnehmer setzten Frauenhandel mit Prostitution gleich. Einige meinten jedoch auch, dass die freiwillige Prostitution ein Grundrecht der freien Berufsausübung sei. Diesen Standpunkt teilte auch die Bundesregierung, als sie die Ausübung der Prostitution als Beruf legalisierte. In Schweden dagegen ist die Prostitution verboten worden.
Weiterhin fiel den Anwesenden Besuchern auf, dass viele Zeitungen ihre diesbezüglichen Kontaktanzeigen erheblich ausgeweitet haben. Das zeige das derzeitige gesellschaftliche Klima so einige Teilnehmer. Die Prostitution werde nicht genug geächtet, sondern sogar noch anerkannt.
 
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