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Text von Mittwoch, 15. Dezember 2004

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 Eigenes Fest: Alternativen zum Marktfrühschoppen 
 Marburg * (lyg/pm)
Mit Verwunderung hat der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) die Einladung zu einem Runden Tisch über die Zukunft des Marktfrühschoppens am Montag (14. Dezember) zur Kenntnis genommen. Damit solle nicht nur erneut probiert werden, an die ergebnislosen Gespräche vom April 2004 mit den Stadtteilgemeinden anzuknüpfen. Am kommenden Gespräch soll mit Tilmann Pfeiffer als Alter Herr der Burschenschaft Armania gar ein Vertreter der Korporationen teilnehmen.
"Immerhin wird so den Kritikerinnen und Kritikern des Marktfrühschoppens Recht gegeben und von offizieller Seite eingeräumt, dass es sich um ein Verbindungsfest handelt", stellte Fabian Rehm vom AStA Marburg dazu fest. "Allerdings fällt die Stadt hinter ihren Erkenntnisstand der letzten Jahre zurück."
Mit der Einbeziehung von Korporationen verabschiede sich die Stadt Marburg von der Problematisierung der Geschichte und des Brauchtums der Verbindungen. Gerade für den AStA ist die Kritik antidemokratischer Traditionen aber unerlässlich. "Es wäre doch absurd, wenn wir einerseits die Rolle studentischer Verbindungen als Wegbereiter des Faschismus kritisieren und andererseits mit eben diesen Vereinigungen ein Fest planen", führte die Finanzreferentin Ada-Charlotte Regelmann dazu an.
Die Zusammenarbeit fast aller Verbindungen in dachverbandsübergreifenden Organisationen oder auch die immer wiederkehrenden Versuche, den Marburger Korporationsring wiederzubeleben, ließenn eine wirkliche Distanz zu rechtsextremen Gedankengut nicht erkennen.
Für eine mögliche Beteiligung des AStA an einem Stadtfest ist ein Uniformierungsverbot zentral. Bei dem Gespräch am 1. April mit den Stadtteilgemeinden wurde diese Forderung als absurd abgetan. "Unsere Kritik an Verbindungen beschränkt sich nicht auf einige rechtsextreme Verbindungen. Wir werden kein Fest mit veranstalten, an dem sich uniformierte Männer zur Schau stellen", kommentierte Rehm. Dadurch würden bestehende Ausgrenzungsmechanismen nur bestätigt und reproduziert.
Eine explizite Ausladung der studentischen Verbindungen wurde von den Stadtteilgemeinden ebenfalls abgelehnt. Regelmann sagte dazu: "Aufgrund der mangelnden Distanz der Stadtteilgemeinden zu den studentischen Verbindungen halten wir es nicht für vertretbar, mit diesen über ein gemeinsames Fest zu verhandeln. Stattdessen werden wir weiterhin für ein solidarisches Miteinander und gegen rassistische, sexistische und soziale Ausgrenzung eintreten."
Der AStA ist auch im Jahre 2005 bereit, ein Fest ohne sexistische, soziale und rassistische Ausgrenzungsmechanismen zu organisieren. "Um diesen Wunsch zu unterstreichen, haben wir beim Ordnungsamt einen Antrag auf die Nutzung des Marktplatzes am ersten Sonntag im Juli gestellt", erklärte die Stellvertretende AStA-Vorsitzende Hanna Tusynski. "Wir wollen zeigen, dass es Alternativen zum Marktfrühschoppen gibt."
 
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