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Text von Donnerstag, 18. November 2004

> p o l i t i k<
  
 Langwierig: Mammutsitzung von zwei Aussschüssen 
 Marburg * (sts)
Über 20 Tagesordnungspunkte hatten der Bau- und der Umweltausschuss des Stadtparlamentes auf ihrer gemeinsamen Sitzung zu bewältigen. Da war es kein Wunder, dass der Zeitplan am Mittwoch (17. November) im Bauamt schnell aus den Fugen geriet.
Als erster Schritt eines Gesamtkonzepts zur Optimierung der Parkraum-Situation in Marburg wurde das Parkdeck Barfüßertor einstimmig den Stadtwerken Marburg (SWM) übereignet. Als nächster Schritt soll dann das Parkhaus Pilgrimstein an die Stadtwerke übergeben werden, stellte Bürgermeister Egon Vaupel in Aussicht.
Hierzu seien allerdings noch einige rechtliche Fragen zu klären. Sie betreffen unter anderem auch die Sanierung des Parkhauses. Das ziel müsse sein - so Vaupel - eine höhere Auslastung als bisher zu erreichen.
Seit 1986 steht die Umgestaltung der Ketzerbach mehr oder weniger weit oben auf der kommunalen Agenda. Das Landschaftsarchitektenbüro SCAPE aus Düsseldorf hatte drei mögliche Varianten dafür vorgeschlagen. Dabei setzte sich die Variante "Boulevard" durch, die einer völligen Neuorganisation gleichkommt.
Die Bürgersteige werden auf 5,50 Meter verbreitert, die Fahrbahnen in der Mitte von einem Wasser band durchzogen. Sämtliche vorhandenen Bäume müssen gefällt und durch lichtere Bäume ersetzt werden, die den Durchblick auf die historische Bausubstanz ermöglichen sollen. Die verlorengehenden Parkplätze in der Mitte sollen in Zusammenarbeit mit der Universität auf dem Gelände der Pharmazie ersetzt werden.
Vor allem das Wasserband wurde im Ausschuss ausführlich diskutiert. Die Gefahr, dass Kinder - vom Wasser angezogen - unachtsam auf die Straße laufen könnten, sei zweifellos gegeben. Auch die Abholzung des gesamten Baumbestands sei letztlich nur durch einen erheblichen Qualitätsgewinn zu vertreten.
Neben dem ästhetischen "neuen Gesicht" soll die Ketzerbach auch als Wirtschaftsstandort durch dieses ganzheitliche Projekt gestärkt werden. Bei einer Gegenstimme beschloss der Ausschuss die Umsetzung der "Boulevard-Variante".
Die Wettbewerbsfähigkeit mit einer Hochschule wie der Universität Tübingen sollen die Pläne zur baulichen Entwicklung der Philipps-Universität ermöglichen. Durch den Umzug der letzten innerstädtischen Kliniken auf die Lahnberge sollen die Geisteswissenschaften in deren Räumlichkeiten umziehen. Die Schaffung eines Campus rund um den Alten Botanischen Garten gilt dabei als Zielvorstellung.
Durch einen Architekturwettbewerb soll jetzt ein genaues Konzept entwickelt werden. Zudem soll über den Abriss der Türme in der Wilhelm-Röpke-Straße und die Einbindung des ehemaligen Brauereigeländes in das Gesamtprojekt nachgedacht werden. Die Symbiose von städtischen und universitären Interessen sei hierbei als gemeinsamer Weg maßgebend.
Ein gutes Zeugnis wurde dem Öffentlichen Personennahverkehr der Stadt ausgestellt. Die hohe Qualität zeigt sich auch am Fahrgastaufkommen von 12 Millionen Personen im Jahr. Für den neuen Nahverkehrsplan 2004 bis 2008 sind somit auch nur kleinteilige Neuerungen im Gesamtkostenumfang von 250.000 Euro vorgesehen.
Mehr Nutzer für die öffentlichen Verkehrsmittel zu gewinnen, würde allerdings erhebliche Kosten verursachen. Wichtigste Änderung im innerstädtischen Busverkehr ist der 30-Minuten-Takt für die Linie 7 an Wochenenden. Dem Nahverkehrsplan wurde einstimmig zugestimmt.
Eine Eissporthalle wird wohl nicht auf dem DBM-Gelände entstehen. Die Fraktionen BfM und FDP hatten einen entsprechenden Antrag formuliert. Vaupel stellte klar, dass eine solche Halle selbst bei einer 90%igen Auslastung ein Zuschussgeschäft bleibe. Dies sei in allen vergleichbaren Städten mit einer solchen Einrichtung der Fall. Der Antrag wurde abgelehnt.
Im städtischen Waldkann kein "FriedWald"-Gebiet ausgewisen werden. Wie Wilfried Ferdinand vom Fachdienst Umwelt und Naturschutz bekanntgab, existiert eine Verordnung des Landes Hessen, die eine solche alternative Bestattung verbietet.
Das "FriedWald"-Konzept sieht die Bestattung an den Wurzeln eines Baumes in heimischer Umgebung vor. Angehörige müssten dann nicht mit der Pflege eines Grabes belastet werden. Ein "Friedwald"-Baum könne für alle Familienmitglieder zu einem gemeinsamen Bezugspunkt werden. Dem entsprechenden Antrag von den Grünen und der SPD wurde letztlich zugestimmt, so dass bei einer Veränderung der Gesetzeslage eine solche Einrichtung möglich wird.
 
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