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Text von Montag, 18. Oktober 2004

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 Alle Neune: Vorerst letzte Demo gegen Sozialabbau 
 Marburg * (fjh)
Der Umgang der Marburger Arbeitsagentur mit Erwerbslosen sollte das Schwerpunktthema der 9. "Marburger Demo gegen Sozialabbau" am Montag (18. Oktober) sein. Knapp 80 Demonstrierende brachen dazu gegen 18 Uhr vom Sozialamt aus zum ehemaligen EAM-Gebäude an der Uferstraße auf. Dort fand gegen 1840 Uhr die Abschlusskundgebung der vorerst letzten Montagsdemonstration unter dem Motto "Hartz IV muss weg!" statt.
Zunächst berichtete Karl-Hans Schumacher von seinem einstigen Arbeitsplatz in dem Gebäude, das ab Freitag (1. Dezember) die neue Organisationseinheit des Landkreises Marburg-Biedenkopf zur Verwaltung der Langzeit-Arbeitslosen aufnehmen soll. Die Übernahme der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) durch E-ON habe nicht nur seinen Arbeitsplatz gekostet. Eine unrühmliche Rolle bei dieser Arbeitsplatzvernichtung habe der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern gespielt, erklärte der Vertreter der ver.di-Erwerbsloseninitiative. Nun werde genau dieser Arbeitsplatzvernichter durch die Option des Kreises für die Verwaltung der Langzeit-Arbeitslosen zum zuständigen Dezernenten des Landkreises für die Erwerbslosen.
Die Situation von Erwerbslosen beleuchteten "Alo und Erwin" in einem Sketch. Alois Faulhaut sucht im EAM-Gebäude seinen Fall-Manager auf. Zuständig für ihn ist Erwin Django. Der hat nicht nur massenweise "Ein-Euro-Jobs" und keinerlei Verständnis für ihn; er zwingt den Erwerbslosen auch "ganz freiwillig" zum Abschluss einer "Eingliederungsvereinbarung".
"Sie setzen mir ja die Pistole auf die Brust", klagt Alo. Daraufhin erklärt ihm Django: "Das nennen wir fördern und fordern".
Eine Liste von 24 Namen verlas Peter Kolditz anschließend im Rahmen einer Danksagung. Die Würdigung galt all denen, die mit Reden, Moderationen oder organisatorischer Unterstützung zum Gelingen der bisherigen neun Demonstrationen beigetragen haben. Auf die angekündigte Rede des Marburger Rechtsanwalts Dr. Wolf Steinmeyer mussten die Veranstalter an diesem Abend aber verzichten.
Kritik übten die Veranstalter an einer Entscheidung des Amtsgerichts Marburg. Es hatte einem Erwerbslosen die kostenlose Rechtsberatung verweigert, die er vor dem Ausfüllen des Antragsformulars auf "Arbeitslosengeld II" in Anspruch nehmen wollte. In seiner Begründung erklärte das Gericht, dass dem relativ "ärmeren" nur eine Rechtsberatung zu finanzieren gewesen sei, die ein relativ "reicherer" aus eigenen Mitteln auch in Anspruch genommen hätte. "Reiche" würden aber niemals eine Rechtsberatung für das Ausfüllen von antragsformularen auf "Arbeitslosengeld II" in Anspruch nehmen.
Ihren Protest gegen "Hartz IV" wollen die Veranstalter der "Marburger Demo gegen Sozialabbau" auch weiterhin öffentlich bekunden. Für Montag (15. November) und Mittwoch (15. Dezember) sind Diskussionsveranstaltungen hu "Ein-Euro-Jobs" im Sozial- und Pflegebereich und zum Umgang von Stadt und Kreis mit den Erwerbslosen geplant. Moderator Jens Bertrams forderte die Anwesenden auf, sich über die genauen Daten diser Veranstaltungen auf der Internetseite www.marburger-montag.de zu informieren.
 
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