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Text von Dienstag, 8. Juni 2004

> p o l i t i k<
  
 Kopftuch-Streit: Religionsfreiheit und Neutralität 
 Marburg * (sts)
Der "Kopftuch-Streit" ist seit Monaten ein immer wieder aufflammendes Thema in Deutschland und Europa. In Frankfurt demonstrierten am Samstag noch rund 2.000 Menschen unter dem Motto "Mein Kopf gehört mir!" für das Kopftuch an deutschen Schulen. Um die Debatte aufzuarbeiten und auf den aktuellen Stand zu bringen, veranstalteten Schüler eines Politik-Kurses der Kaufmännischen Schule am Montag (7. Juni) in der Aula eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Eingeladen hatten sie Vertreter der Parteien, dazu Dr. Matin Baraki vom Ausländerbeirat der Stadt Marburg und Heiko Depner von der Landesschülervertretung (LSV).
Über die Parteigrenzen hinweg herrschte Einigkeit darüber, dass das Kopftuch als religiöses Zeichen gegen das staatliche Neutralitätsprinzip verstoße und somit von Lehrerinnen im Unterricht nicht getragen werden dürfe. In diesem Zusammenhang wurde auch die Forderung nach einer strikteren Trennung von Kirche und Staat bzw. "von der Sphäre des Poltischen und der Sphäre des Religiösen , wie Eva Gottschaldt (PDS) es formulierte, laut. Konkret ist damit vor allem der Wegfall des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen gemeint. Ersetzt werden könnte er durch einen Religionskundeunterricht in dem gleichermaßen über alle Religionen informiert wird. Der Staat sei gefordert entsprechende gesetzliche Grundlagen zu schaffen, so Karl Zissel (FDP). "Keinerlei religiöse Symbole haben in der Schule etwas zu suchen , machte sich Jan Kemmler (SPD) für die Gleichbehandlung von Kopftuch und Kruzifix stark. In diesem Punkt widersprach ihm Stefan Heck (CDU) jedoch vehement: "Das Kreuz ist im Gegensatz zum Kopftuch mit unserem, nicht zuletzt aus der abendländischen Tradition entstandenen, Grundgesetz vereinbar . Damit spielte er vor allem auf den Kopftuchzwang strenggläubiger Muslime an.
Baraki verwies darauf, dass im Koran an keiner Stelle das Tragen eines Kopftuches erwähnt werde. Das Kopftuch sei ein Unterdrückungsinstrument des Mannes gegenüber der Frau. Viele muslimische Eltern würden ihren Töchtern zudem verbieten an Klassenfahrten oder dem Sportunterricht teilzunehmen.
"Wir haben bisher in diesen Punkten eine viel zu große Toleranz gegenüber den Eltern gezeigt , so Gottschaldt. In der Türkei werde wesentlich restriktiver gegen religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen vorgegangen als in Deutschland, merkte Alev Lassmann (Grüne) an. Letztlich sei das Kopftuch aber auch nur ein äußerliches Zeichen.
"Entscheidend ist was im Kopf ist, nicht was auf dem Kopf ist , brachte Depner am Ende der Diskussion ein. Islamistisches Gedankengut könne mit dem Kopftuchverbot sicherlich nicht aus deutschen Unterrichtsräumen verbannt werden
 
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