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Text von Freitag, 9. April 2004

 
Ferner Frieden: Ira et Studio im Irak
  Marburg * (FJH)
Zum Jahrestag der Eroberung Bagdads durch US-Truppen gehen die Kämpfe im Irak wieder richtig los. Frieden ist dort ferner denn je.
Faluja ist in der Hand von Aufständischen. Die Stadt ist von US-Truppen umzingelt. Auch Najaf und andere irakische Städte sind heiß umkämpft. Wütende Menchen schlagen sich auf die Seite des Widerstands gegen die Besatzungstruppen.
All das hätte man vorhersehen können. Ein Buch über die Erfahrungen der deutschstämmigen britischen Militärberaterin Gertrude Bell beschreibt genau das Dilemma, in dem sich derzeit die US-Kriegskoalition befindet. Frappierend ist nur, dass dieses Buch die Lage im Irak nach der britischen Besetzung im Jahr 1920 beschreibt. Doch damals wie heute sind die Probleme sehr ähnlich.
Kriegskritiker könnten sich nun selbstgerecht zurücklehnen und sagen: "Wir haben es schon lange gewusst." Die Ereignisse im Irak geben den weltweiten Protesten gegen diesen Krieg neue Nahrung.
Monatelang hatten in Marburg Menschen jeden Montag gegen den Krieg demonstriert. Schon vor Beginn der Kampfhandlungen hatten diese Marburger Montagsdemonstrationen begonnen. Im Februar 2003 forderte eine große Manifestation auf dem Marktplatz "Kein Blut für Öl!"
Verhindern konnten die Demonstranten den Krieg freilich nicht. Aber waren es gerade ihre Proteste, die den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder bewogen haben, sich nicht gegen die Bevölkerungsmehrheit auf die Seite der Kriegskoalition zu stellen. Das war eine der weisesten Entscheidungen Schröders.
Schützen kann sie die Bundesbürgerinnen und -bürger aber nicht wirklich. Weder vor Terroranschlägen in Deutschland noch vor Übergriffen anderswo auf der Welt ist irgendjemand heutzutage noch sicher.
Drei japanische Zivilisten sind im Irak entführt worden. Ihre Kidnapper drohen, sie bei lebendigem Leibe zu verbrennen, wenn das japanische Truppenkontingent nicht umgehend aus dem Irak abzieht. Die Verfassung des Kaiserreichs verbietet übrigens eine Stationierung japanischer Truppen in Kriegsgebieten.
Auch zwei Deutsche sollen im Irak entführt worden sein. Genaueres weiß man derzeit noch nicht.
Was wir alle aber wissen: Der Terror hat eine Wurzel. Das ist die Intervention amerikanischer, britischer und befreundeter Truppen in den Irak. Den grenzenlosen Hass und die Verbitterung vieler Menschen hat eine jahrzehntelange Politik der Arroganz des Westens gegenüber dem "unzivilisierten Rest der Welt" hervorgerufen.
Nicht nur die US-Politik basiert auf Ausplünung und der rücksichtsloser Geschäftemacherei in der sogenannten "Dritten Welt" wie auch in arabischen Ländern. Unter dem neuen Modewort "Globalisierung" hält der altbekannte Kolonialismus immer noch an. Seine Menschenverachtung treibt dem Terror unzählige enttäuschte und wütende Kämpfer zu.
Deswegen kann sich niemand in Ruhe zurücklehnen, solange das schreiende Unrecht auf der Welt vorherrscht. Wenn Menschen in ihrer Ohnmacht und Armut nichts bleibt als die begründete Wut auf deren Verursacher, dann darf man sich über einen gewaltigen Aufstand dieser Menschen nicht wundern.
Nichts kann und darf den Terror rechtfertigen. Die vornehmste Aufgabe aller klugen Leute ist, ihn an seiner Wurzel zu bekämpfen. Tun wir also, was wir können, gegen Unrecht und Elend in Deutschland und weltweit!
 
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