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Text von Montag, 8. März 2004

 
Marburger Demokrat: Zum 100. Geburtstag von Adolf Arndt
  Marburg * (FJH/pm)
"Adolf Arndt hat einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau des demokratischen Rechtsstaates geleistet", erklärte der Marburger SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol am Freitag (12. März). Der sozialdemokratische Jurist wäre am Freitag 100 Jahre alt geworden. Die SPD-Bundestagsfraktion gedachte deswegen des renommierten Rechtspolitikers, der wichtige Stationen seines Lebens in Marburg verbracht hat.
Der gebürtige Ostpreuße besuchte das humanistische Gymnasium in Marburg. Anschließend studierte er an der Philipps-Universität Jura, Volkswirtschaft und Philosophie. 1926 promovierte er mit einer Arbeit über "Kartellrechtliche Verwaltungsakte ". Danach nahm er vom 1. Oktober 1926 bis zum 31. März 1927 eine Assistenz wahr.
Sein beruflicher Werdegang führte ihn dann nach Berlin. Als Rechtsanwalt scheute er sich nicht, die Verteidigung Mißliebiger Persönlichkeiten wie Georg Grosz oder Regimegegnern wie Wilhelm Leuschner zu übernehmen, wie er sich überhaupt der Juden und verfolgter Sozialdemokraten annahm.
Nach dem 20. Juli 1944 wurde Arndt verhaftet, dann für den Einsatz in den besetzten Gebieten dienstverpflichtet.
1945 begann seine zweite, eigentliche Karriere als Oberstaatsanwalt wiederum in Marburg. 1946 trat Arndt der SPD bei, für die er 1949 in den ersten Deutschen Bundestag gewählt wurde. Ihm gehörte er bis 1969 mit Unterbrechungen an.
Arndt hat die SPD in einer Reihe von Verfahhren vor dem Bundesverfassungsgericht vertreten. Im Bundestag gehörte er zur intellektuellen Spitze. Seine geschliffenen Reden wurden geschätzt. Die Rede anläßlich der Diskussion um eine Verlängerung der Verjährungsfrist für Nazi-Verbrechen fand breiteste Resonanz im In- wie im Ausland.
Auch innerhalb der Partei hatte Arndts Wort starkes Gewicht. Sein entspanntes Verhältnis zur evangelischen Kirche hat sich im Godesberger Programm niedergeschlagen, das die Normalisierung zwischen SPD und Kirchen festschrieb.
 
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