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Text von Freitag, 30. July 2004

> k u l t u r<
  
 Kunst-Tour: Auf zwei Rädern ins Riesenreich 
 Marburg * (sts)
Wer mit dem Fahrrad nach China reisen will, muss eigentlich wahnsinnig oder Extremsportler sein oder gar beides. Für Christophe Didillon, der Beides nicht zu sein scheint, ist es hingegen ein Jugendtraum. Der 32-jährige Sinologe sieht nach Abschluss seines Studiums an der Philipps-Universität nun den Zeitpunkt gekommen, diesen Traum unter dem Motto "Der Weg ist das Ziel" auch zu verwirklichen.
Für die 13.000 bis 14.000 Kilometer lange Strecke will Didillon sich etwa neun Monate Zeit nehmen. Sein Weg soll ihn durch die Hauptstädte aller durchreisten Länder bringen: Von Berlin über Prag, Budapest, Belgrad, Ankara, Teheran und schließlich über die Seidenstraße bis nach Shanghai.
"Wenn ich dann noch Lust habe, fahre ich vielleicht noch nach Peking und von dort mit der Transsibirischen Eisenbahn zurück", sagte der gebürtige Auricher im Gespräch mit marburgnews.
Im Frühjahr 2005 soll die Tour in Hamburg, der Partnerstadt von Shanghai, starten. "Eigentlich wollte ich schon im September diesen Jahres losradeln, aber ich habe den logistischen Aufwand unterschätzt", begründete Didillon die Abreiseverschiebung.
Im Augenblick ist er noch mit der Suche nach Künstlern, Sportlern und Ausrüstern beschäftigt, die seine Reise unterstützen wollen. Ein Referenzschreiben des Hamburger Senats hat er bereits, ein weiteres von Boris Becker wird er wohl in Kürze erhalten.
Didillon will mit der Tour weit mehr erreichen als die Erfüllung seines Traumes: "Ich will mit einheimischen Künstlern zusammen Bilder gestalten, die als Symbole der Freundschaft zwischen den Ländern jeweils vor Ort zurückbleiben sollen."
Der Tausendsassa Didillon ist schließlich als begeisterter Maler Mitglied der internationalen Künstlergruppe "Paradox" . Nebenbei besitzt er auch noch die größte Sammlung an Auto-Kennzeichen in Deutschland.
"Mit Hilfe von Paradox und dem Auswärtigen Amt hoffe ich, die Kontakte zu den einheimischen Künstlern herstellen zu können", erklärte Didillon. Aufgrund seines Studiums in Marburg und zwei Semestern in Shanghai spricht Didillon fließend chinesisch. Für all die anderen Sprachen der Reiseländer hat er universitäre Fakultäten in ganz Deutschland angeschrieben, die ihm einen Grundwortschatz zusammenstellen sollen: "Ich will zumindest "Guten Tag" oder "Es ist schön hier" sagen können."
Wie aber sieht es eigentlich mit seinen sportlichen Fähigkeiten aus? "Ich jogge fast jeden Tag und bin auch schon vor zwei Jahren mit dem Fahrrad durch Irland getourt. Bevor es richtig losgeht, werde ich auch noch eine größere Probefahrt unternehmen", erläuterte Didillon.
Die Länge der Tages-Etappen will er kontinuierlich steigern und nicht mehr als 20 bis 25 Kilogramm Gepäck mitnehmen. Die Gesamtkosten für die Tour beziffert er auf 2.500 bis 5.000 Euro.
Für Didillon ist China seine Passion. Von seiner ersten Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn berichtete er: "Ich habe den ganzen Tag am Fenster gestanden, begeistert die beeindruckenden Landschaften betrachtet und mir vorgestellt, sie mit dem Fahrrad zu erkunden"."
 
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