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Text von Montag, 15. März 2004

 
Gegentrend: Das Alter feiern
  Marburg * (sts)
Eine Hommage an das Alter soll das "Golden Festival 2004" in der Waggonhalle werden. "Wir wollen aber keine exklusive Altenveranstaltung haben, sondern gerade auch junge Menschen ansprechen, sich in positiver Weise mit dem Alter zu beschäftigen", sagte Marion Breu vom Kulturzentrum Waggonhalle.
Vom 8. Bis zum 12. April veranstaltet die Waggonhalle das "Golden Festival 2004" mit dem "Malaika Kusumi Ballett Theatre". Jeweils zweimal täglich um 16 und um 20 Uhr wird das professionelle Ballett-Theater das Stück "Beethovens Silence" aufführen. Bereits im September 2003 war die Gruppe mit dem Stück "Lampenfieber" in der Waggonhalle zu sehen.
Im Mittelpunkt des neuen Stücks steht Beethovens Klaviersonate Nummero 32, die der Komponist kurz vor seinem Tod geschrieben hat. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits gänzlich taub.
"Die live von Konstantin Arro gespielte Klaviermusik wird vom Ballett künstlerisch verarbeitet und tänzerisch umgesetzt", erläuterte Wolfram Böcking von Boeltzig, Manager des Ballett-Theaters. Der Pianist schlüpft dabei in die Rolle Beethovens und wird in das Stück mit einbezogen. Die Tänzerinnen und Tänzer verkörpern Beethovens tiefe Verzweiflung aufgrund seiner Behinderung, seine Zukunftsangst, aber auch sein "Annehmen", sein Akzeptieren der körperlichen Reduktion.
"Das geniale Alterswerk Beethovens wäre ohne sein Handicap undenkbar", meinte von Boeltzig, "Reduktion kann auch Voraussetzung für künstlerisches Schaffen sein."
Entgegen dem gesellschaftlichen Jugend- und Schönheitswahn soll das Alter dankbar gewürdigt werden. So wird vor und zwischen den Vorstellungen vor allem älteren Marburger Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geboten, ihr Können zu präsentieren. Für dieses Rahmenprogramm werden noch Photographen, Bildhauer, Maler, Musiker, Entertainer, Tänzer oder Schriftsteller gesucht. Auch jüngere Menschen, die sich mit dem Thema künstlerisch auseinandersetzen wollen, sind eingeladen, das "Golden Festival 2004" mitzugestalten.
"Die Kombination von professionellen, klassisch ausgebildeten Balletttänzern und Dilettanten im positivsten Wortsinne soll den generationsübergreifenden und alterslosen Charakter von Kultur begreif- und erlebbar machen", sagte von Boeltzig, "wir wollen das Alter feiern."
Hierzu sind nun alle aufgerufen, denn alt werden wir schließlich auch alle werden.
 
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