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Text von Sonntag, 25. Januar 2004

> k u l t u r<
  
 Markt und Straßen: Streifzug durch die Stille Nacht 
 Marburg * (fjh)
"Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus. Sinnend geh´ ich durch die Gassen. Alles sieht so festlich aus." Mit diesem gedicht beschrieb Josef Freiherr von Eichendorff schon zu Zeiten der Romantik die "Stille Nacht". Auch mehr als 100 Jahre später kann man in Marburg am Heiligabend genau diese Stimmung noch erleben. Wer am Freitag (24. Dezember) abends früh durch die Stadt gegangen ist, der konnte das romantische Gedicht gut nachempfinden.
Über allem thront das Schloss. In den engen Gassen unterhalb mag es die letzten 150 Weihnachtsfeste wohl alle Jahre wieder ähnlich ausgesehen haben. Nur kam das Licht früher von Kerzen aus echtem Wachs und nicht von elektrischen Lichtspendern.
Welche Mühen mögen die Menüs verursachen, die unsere Vorfahren an den Weihnachtstagen aufgetischt haben! Stundenlang standen die Hausfrauen in ihrer Küche, um den Braten vorzubereiten. Gans und Fisch kamen an den Festtagen auf den Tisch.
Doch damals hatten viele Familien auch noch ein Hausmädchen, das der "Gnädigen Frau" die Arbeit abnahm. Deswegen sind heutzutage auch so viele Frauen so ungnädig!
Der Weihnachtskrach gehört deshalb in manchen Familien alle Jahre wieder zum obligatorischen Festtagsprogramm. Der Stress und die hohen Erwartungen werden dann einfach zuviel.
Einige entgehen diesem Druck, indem sie auswärts essen gehen oder zu Weihnachten verreisen. Vor dieser Festtags-Flucht warnt jedoch eine neue Studie aus den USA: Während der Weihnachtstage sterben dort überdurchschnittlich viele Menschen, weil sie in einer fremden Umgebung nicht rechtzeitig die medizinische Nothilfe finden. Am "Fest der Liebe" bleiben auch die Beschäftigten der Kliniken lieber daheim. Da arbeitet nur eine verringerte Notbesetzung.
Auch das Marburger Universitätsklinikum möchte bis zur Jahreswende einige Abteilungen zusammenlegen. Die Qualität der medizinischen Versorgung werde darunter jedoch nicht leiden, beteuerte man.
Wer hier heimisch ist, der kennt sich ohnehin aus. Der braucht dann auch nicht zu lange zu suchen, um notfalls Hilfe zu findne.
"Bleibe im Lande und nähre Dich redlich!" Diesen bekannten Spruch sollte man vielleicht gerade an den Feiertagen beherzigen. Dann kann man die "Stille Nacht" auch in ihrer ganzen Besinnlichkeit genießen.
 
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