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Text von Donnerstag, 15. Januar 2004

> k u l t u r<
  
 Evangelischer Erfolg: 50 Jahre Gesamtverband 
 Marburg * (sts)
"Der Gesamtverband der Evangelischen Kirche in Marburg stellt in der Stadt ein fast einmaliges Erfolgsmodell dar. Und das seit nunmehr 50 Jahren", meinte Erhart Dettmering. Der pensionierte Magistrats-Pressesprecher der Stadt Marburg ist Experte für die Verbandsgeschichte.
1946 hatten sich die lutherische und reformierte Gemeinde wegen der extremen Notsituation in der Stadt nach Ende des Krieges zusammengeschlossen. Diese sehr große Evang
gezwungen, vier selbständige Kirchengemeinden zu gründen.
Um eine große Vermögensauseinandersetzung der Gemeinden untereinander zu vermeiden, schlossen sich am 1. Juli1954 die vier Gemeinden - Elisabethkirche, Pfarrkirche, Universitätskirche und Matthäuskirche - zu einem Gesamtverband zusammen.
"Die einzelnen Gemeinden traten zwar Geld und Rechte an den Gesamtverband ab, wurden damit aber auch von allen Verwaltungsaufgaben befreit und konnten sich auf die geistliche Arbeit konzentrieren", sagte der Leiter des Evangelischen Gemeindeamtes Heinz Gerbig.
Heute ist der Gesamtverband in ähnlicher Weise organisiert wie die Stadtverwaltung. Die Verbandsvertretung ist wie das Stadtparlament für Haushaltsaufgaben und Stellenpläne zuständig. Der Verbandsvorstand sorgt - ähnlich wie der Magistrat der Stadt - für die laufende Verwaltung. Das evangelische Gemeindeamt vereint als zentrale Verwaltungsstelle alle Aufgabenbereiche unter einem Dach.
Zur Zeit betreibt der Gesamtverband zehn Kindertagesstätten, drei Jugendhäuser, die Evangelische Familienbildungsstätte, verschiedene Beratungsstellen für die "Begleitung durch alle denkbaren Konfliktsituationen eines Lebens von Schwangerschaftsberatung bis zur Altenberatung und -betreuung", wie Pfarrer Karl-Günter Balzer es formulierte.
Doch die drastischen Mittelkürzungen von sozialen Einrichtungen durch die Operation "Sichere Zukunft" der hessischen Landesregierung ging auch am Gesamtverband nicht spurlos vorbei. Die 38.000 Euro für die Familienbildungsstätte sind ersatzlos gestrichen worden.
"Wir konnten das nur durch eine massive Erhöhung der Kursgebühren auffangen", sagte Gerbig, meinte aber noch mit einem "blauen Auge" davongekommen zu sein.
Derzeit seien noch keine Einrichtungen unmittelbar von der Schließung betroffen, doch in der Finanzierung der Erziehungsberatungsstelle im Philipps-Haus klaffe derzeit ein Loch von 35.000 Euro. Hier würden derzeit Gespräche mit der Stadt über mögliche Hilfen geführt.
Neue Finanzierungsmöglichkeiten - insbesondere aus Drittmitteln wie Sponsoring - zu entwickeln, sei auch eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft, sagte Dekan Helmut Wöllenstein. Eine noch straffere Organisation durch Ausbalancierung und Delegation von Kompetenzen auf den verschiedenen Ebenen solle vor allem das Engagement in den einzelnen Gemeinden stärken.
Wie die - bis Anfang 2006 zu entwickelnde - Strukturreform der Kirchenkreise aussehen könnte, dazu konnte Wöllenstein noch keine Auskunft geben. Allerdings müsse bis Ende nächsten Jahres ein konkreter Vorschlag entwickelt worden sein.
 
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