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Text von Samstag, 9. Oktober 2004

> k u l t u r<
  
 Das KFZ: Alles von Punk bis Kabarett 
 Marburg * (maf)
Als er vor mehr als 20 Jahren zum Kulturladen KFZ kam, habe er nur gewusst, "dass da so langhaarige Kommunisten hingehen", erinnert sich Karl Erbach grinsend. Von Beruf ist er Hausmeister und "gute Seele des Hauses". Er ist auch derjenige, der am längsten beim KFZ arbeitet.
Das älteste Kulturzentrum Marburgs wird von einem Verein, der Initiative Kommunikations- und FreizeitZentrum, getragen. Das Zentrum wurde bei einer Silvesterfeier des Jahres 1976 ins Jahr 1977 gegründet. Neben dem bereits vorhandenen großen Angebot für Studierende wollten die Gründer des KFZ auch dem nicht-studentischen Publikum ein breit gefächertes Kulturprogramm bieten. Darüber hinaus gab es im KFZ auch soziale Projekte wie eine Schwangerschaftsberatung, lange bevor "Pro Familia" diese Aufgabe übernahm.
Einmal sei es damals vorgekommen, dass zwei Kabarettveranstaltungen in einem Monat stattfanden. "Wir sind doch kein Veranstaltungsladen!", hätten sich da schon einige KFZler beschwert. "Das hat sich dann halt so eingeschlichen, und heute haben wir den Kabarettherbst", lacht Erbach.
Heute finden im KFZ Konzerte verschiedener Musikrichtungen, Parties, Kabarett, Kleinkunst und Lesungen statt. Dieser Offenheit und Vielfalt des Programms verdankt das KFZ wohl auch seinen großen Erfolg. Jährlich finden 200 bis 230 vom KFZ organisierte Veranstaltungen mit insgesamt etwa 40.000 Besucherinnen und Besuchern statt. Seit 1993 veranstaltet das Kulturzentrum die beiden Festivals "Nacht der Stimmen" und "Out in the park" auf der Schlossparkbühne. Regelmäßig organisiert das Team auch Bücher- und Plattenflohmärkte sowie einmal im Monat eine offene Bühne unter dem Titel "Marburger Abend". Außerdem ist das KFZ an der Programmgestaltung verschiedener Arbeitsgruppen wie "Ladies in Culture", Radio AG, Konzert AG und Kinderprogramm AG beteiligt. "Wir haben keinen kulturellen Elfenbeinturm geschaffen", ist Sabine Welter überzeugt. Die Kulturwissenschaftlerin kam 1987 zum Team. Seit 2001 ist sie eine von zwei Geschäftsführern des Kulturzentrums. Das Programm reiche von Punk bis Kabarett, fügt Kerstin Plessow hinzu. Die ehemalige "Neuere deutsche Literatur und Medien"-Studentin hat gerade ihre Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau beendet. Bis ihr eine Halbtagsstelle angeboten wurde, hat sie einige Jahre ehrenamtlich beim KFZ gearbeitet. Neben der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist sie zuständig für das Buchen der Bands sowie für deren Verträge.
Acht Mitarbeiter sind hauptamtlich beim KFZ beschäftigt. Darüber hinaus beteiligen sich 30 bis 35 Ehrenamtliche aktiv an der Arbeit des Kulturzentrums. "Die Hauptamtlichen" seien jedoch immer auch Ehrenamtliche, erklärt Welter.
Seit dem Umbau in den Jahren 1986 bis 1989 hat sich ein "harter Kern" von Mitarbeitern gebildet. Als die Zuschüsse der Kommune und des Landes 2004 immer weiter zurückgingen, hat man sich im KFZ zusammengesetzt und selbst nach Lösungen gesucht. Zuerst haben die Mitarbeiter des Kulturzentrums ihre eigenen Löhne gesenkt. Beim Festival "Nacht der Stimmen" im Schlosspark mussten auch die Eintrittspreise etwas erhöht werden. Man wolle die finanziellen Probleme jedoch nicht komplett auf die Besucher abwälzen, ergänzt Welter. Schließlich habe man den Anspruch, ein Kulturzentrum für Alle zu sein und niemanden auszuschließen, der wenig Geld hat.
Entlassungen der Mitarbeiter kommen beim KFZ nicht in Frage. In Schuldenbergen versinken wolle man aber auch nicht, erklärt die Geschäftsführerin. Das Team des Kulturzentrums hofft daher auf ein Einlenken der Marburger Politik und auf das Interesse der Besucher am weiteren Bestehen eines vielfältigen soziokulturellen Programms.
Deshalb hat es die "Heldenkampagne" ins Leben gerufen. Jeder hat die Möglichkeit, das Zentrum oder eine Veranstaltung seiner Wahl mit einer Spende zu unterstützen.
Das KFZ-Team würde gerne "mehr Experimentelles" machen. Das komme jedoch aus finanziellen Gründen leider zu kurz, bedauert Welter. "Es ist natürlich nicht gerade einfach, wenn man finanziell immer wieder ausgebremst wird", klagt sie.
Auf politischer Ebene arbeitet das KFZ mit anderen Kulturzentren in der Interessengemeinschaft Freie Kultur (IGFK) zusammen. Besonders müsse man natürlich dann zusammenhalten, wenn es allen finanziell an den Kragen gehe, meint Welter.
Marburg vertrage noch viele kulturelle Angebote, erklärt sie. Die Universitätsstadt könne noch weit mehr Zulauf - zum Beispiel aus dem Rhein-Main-Gebiet - haben, wenn man das Angebot weiter ausbaue: "Nicht Marburg ist zu klein, sondern die Kulturpolitik in den Köpfen."
 
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