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Text von Sonntag, 6. Juni 2004

> k u l t u r<
  
 Big Vision: Earthdance ist Täter und Opfer 
 Marburg * (fjh/pm)
"Nichts entsteht aus sich selbst heraus, sondern nur in Abhängigkeit mit anderen Elementen", schreibt die Earthdance Cooperation. Aus diesem Grund haben alle Phänomene - isoliert betrachtet - kein eigenes "Selbst". Das vertraute Gefühl der Isolation oder Abgetrenntheit ist demnach eine Illusion, ein Missverständnis, ein Trugbild.
"BI Vision 0.5" ist der Titel der Tanztheater-Inszenierugn, die die Earthdance Cooperation von Donnerstag (10. Juni) bis Sonntag (13. Juni) in der Waggonhalle präsentiert. Diese Produktion unter der Choreographie von Mikel Aristegui und Martina La Bonté wird im Herbst an der Schaubühne in Berlin zu sehen sein.
Mit dem Thema "Dualität" als Ausgangspunkt entschieden sich die Künstler Giacomo Sacenti , Giannalberto de Filippis und Martina La Bonté sich für die Extreme Opfer und Täter, um sich in ihnen und durch sie zu beleuchten. Es gibt kein Entweder-Oder, sondern einen sicht- und spürbaren Wandel aller Darsteller von einem Extrem zum anderen. Der Wandel verläuft teilweise subtil, auf energetischer Ebene, teilweise in schnellen, impulsiven Momenten.
"Klare Statements, die stattfinden, fordern eher zum hinterfragen auf, als Klarheit zu schaffen", blubbern die Tanz-Aktivisten in ihrem Ankündigungstext weiter. Die Personen auf der Bühne seien nicht nur miteinander eng verbunden, sondern auch in ihren Identitäten austausch- und verschiebbar.
Wer ist der Täter, wer das Opfer?
Wo beginnt der Zufall oder die Absicht?
Wieviel ist manipuliert und wer manipuliert dann wen?
Wie ordnet der Betrachter die Szene für sich ein, und in wieweit ist er selbst in einer Abhängigkeit der Extreme?
Zwar wird der Zuschauer auch aufgefordert, eine Stellung zu beziehen und das Gesehene wie gewohnt einzuordnen, aber gleichzeitig auch ermutigt die enge Verbindung und das Zwischenspiel von Abhängigkeiten des einen mit dem anderen zu erkennen und all das für sich selbst zu interpretier en.
Was bleibt ist keine Zuordnung in Extreme, sondern ein Bild der Extreme in uns, welches sich manchmal öffnet und befreit und manchmal auf eine Seite in uns schlägt.
Den zweiten Teil des Abends nimmt ein Tanzfilm des in Genf lebenden Regisseurs Pascal Magnin ein. Der Film wurde in den Schweizer Alpen gedreht und zeigt Mikel Aristegui .
 
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