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Text von Freitag, 6. Dezember 2002


Journalismus: Karriere oder Sackgasse?

Marburg * (kar)
"Es sieht sehr schlecht aus", beurteilt Dr. Susanne Stracke--Neumann vom Bundesvorstand der Deutschen Journalistinnen und Journalisten-Union(DJU) in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) den Arbeitsmarkt für junge Journalisten. Am Donnerstag (5. Dezember) sprach sie im Hörsaalgebäude - gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Dr. Lutz Hagestedt vom Rezensionsforum literaturkritik.de und dem Journalisten Franz-Josef Hanke - über das Thema "Journalismus - Ein Beruf mit Zukunft?".
Entlassungen, Einstellungs- und Ausbildungsstopps haben viele offenbar schon vom Traumberuf Journalist abgeschreckt. Dennoch, so die einhellige Meinung der Referenten, sei die Situation nicht hoffnungslos. Gute Journalisten hätten immer eine Chance.
Aber wie wird man ein guter Journalist?
Ein klares Profil solle man sich zulegen, meint Hagestedt. Dabei könne das Studium helfen. Ein Studium der Medienwissenschaften oder Journalistik sei wegen des hohen Theorieanteils nur bedingt nützlich. Viel praktische Erfahrung ist unverzichtbar. Dabei sollten die angehenden Journalisten darauf achten, dass sie während ihrer Lehrjahre in möglichst viele Bereiche hinein schnuppern und unterschiedliche Medien kennen lernen.
"Praktika sind eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen", erklärte Hanke, "Es ist wichtig, sie auch nach Ende des Praktikums weiter zu pflegen." Schließlich werden 80% aller Volontariate an ehemalige Praktikanten oder Freie Mitarbeiter des jeweiligen Hauses vergeben.
Alles "Vitamin B" der Welt nützt allerdings nichts, wenn man keine Qualität liefern kann. Dazu gehört, dass man Artikel pünktlich abgibt und die Vorgaben zu Umfang und Inhalt genau erfüllt. Der Inhalt muss exakt recherchiert sein und in einem ansprechenden Stil präsentiert werden. Bei alledem sollte das Verfassen des Wunderwerkes nicht mehr als zwei Stunden dauern.
Wer trotz Talent und Erfahrung keine Volontariatsstelle bekommt, kann sich als freier Journalist versuchen. "Das ist allerdings ein hartes Brot", räumt Stracke-Neumann ein. Alternativen können eine Weiterbildung im Rahmen von Aufbaustudiengängen oder Seminaren bei Journalistenverbänden wie der DJU sein. Auch Stiftungen bieten in regelmäßigen Abständen Fortbildungsveranstaltungen an. Eine Ausbildung mit Job-Garantie gibt es allerdings nicht.
Zeiten, in denen renommierte Blätter wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ihre Lehrredaktion einfach schließen und keine Volontäre mehr einstellen, stellen auch die talentiertesten Berufsanfänger vor Probleme. Stracke-Neumann gab sich aber zuversichtlich: "Es kommen auch wieder bessere Zeiten."


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