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Text von Sonntag, 24. März 2002


Energisch allergisch: Speisen zum Speien

Marburg * (FJH)
Ich habe eine Allergie. Es mag komisch klingen, aber ich vertrage keinen Blumenkohl. Mir wird schon schlecht, wenn ich das Zeug nur rieche. Als Kind hat mich meine Mutter nämlich gezwungen, Blumenkohl zu essen. "Das ist gesund", sagte sie und stopfte das Gemüse in mich hinein, bis zum Erbrechen. Seitdem kann ich keinen Blumenkohl mehr riechen, geschweige denn essen.
In manchen Marburger Restaurants liegt dieses Gemüse aber plötzlich unverlangt auf meinem Teller, wenn ich etwas ganz anderes bestellt habe. Im besten Fall steht noch "Gemüsebeilage" auf der Speisekarte, manchmal ist der Kohl aber auch einfach auf dem Teller. Damit ist dann für mich Schluss mit dem Genuss!
Wenn ich vorsichtshalber vorher frage, welches Gemüse denn da als Beilage kredenzt werden soll, dann weiß manche Bedienung nicht Bescheid. Es kam sogar schon vor, dass ich eine falsche Antwort erhielt.
Eine Kollegin ist allergisch gegen bestimmte Milchprodukte. Obwohl sie ein Öl-Dressing zum Salat bestellt hatte, kam er mit einer Joghurt-Soße bei ihr an. Ihr hätte der Verzehr dieser Speise echte gesundheitliche Probleme bereitet. Das kann bis zur Bewusstlosigkeit gehen.
Dennoch schreiben die meisten Marburger Gastwirte nicht alles auf die Karte, was sie auf den Teller tun. Blumenkohl benutzen einige gerne als "Garnitur". Muss ich etwa vor jeder Bestellung im Restaurant immer sagen, dass ich keinen Blumenkohl riechen kann?
Besser wäre es wohl, wenn die Karte ganz genau verriete, was da auf dem Teller zu liegen kommt. Schließlich leidet etwa ein Fünftel der bundesdeutchen Bevölkerung an Allergien.
In der Rücksichtnahme auf besondere Bedürfnisse ihrer Gäste haben Marburgs Gastronome schließlich schon Erfahrung: In vielen Restaurants und Kneipen erhalten Blinde eine besondere Karte in Brailleschrift. Da wäre es doch vergleichsweise ein Leichtes, alle Beilagen eines Gerichts mit anzugeben, oder ist das zuviel verlangt?


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