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Text von Dienstag, 14. Mai 2002


Transparenz: Zur Wende in der Agrarpolitik

Marburg * (ChH)
Milch von Kühen auf weitläufigen Wiesen, Eier von frei laufenden Hühnern, ökologisch angebautes Obst und Gemüse, Fische aus natürlichen Gewässern - und das alles noch möglichst preisgünstig: Mit diesen Verbraucherwünschen sehen sich Agrarwirtschaft und Politik konfrontiert. Im Rücken haben sie darüber hinaus die Europäische Union (EU) mit Subventionen, aber auch jeder Menge Regelungen sowie das Problem der Welternährung und der gerechten Globalisierung.
Im Rahmen des interdisziplinären Seminars zu Ökologie und Zukunftssicherung fand am Montag (13. Mai) der Vortrag "Zur Wende in der deutschen Agrarpolitik" statt. Alexander Müller, Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, sprach im Hörsaalgebäude der Philipps-Universität über Veränderungen, Probleme und Ziele der Politik.
Der grüne Politiker möchte möglichst viel Transparenz für den Verbraucher herstellen. Dieser soll genau wissen, welche Produkte er kauft. Ein Verbraucherinformationsgesetz wäre wichtig, meint Müller. Eine große Rolle spielt für ihn auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, eine unabhängige Institution, welche die Sicherheit von Lebensmitteln überprüft. Sie wurde erst während der jetzigen Legislaturperiode aufgebaut. Auch eine größere Sicherheit bei Tierseuchen und ein besserer Informationsfluß solle erreicht werden.
Müller zeigte drei Konfliktfelder auf. Die Lebensmittelsicherheit, die Einführung des Nachhaltigkeitsgedankens und die Welternährung. Bei der Nachhaltigkeit diene der ökologische Landbau als Leitbild. Die Umstellung könne aber nicht von heute auf morgen erreicht werden. Ein kleiner Landwirt mit wenig Eigenkapital darf nicht gezwungen werden seinen Betrieb unmittelbar auf eine ökologische Produktion umzustellen. Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben.
Große Schwierigkeiten bereite auch die Abschaffung der Massentierhaltung, etwa bei Hühnern. Ein Huhn hat momentan im Käfig mindestens einen DIN A4 Blatt großen Raum zur Verfügung. Die Ausscheidungen fallen auf ein Fließband, das die Entsorgung erleichtert. Die Nachfrage nach Geflügel ist besonders seit der Rinderseuche BSE enorm. Würden diese Hühner aber nun frei laufen, könnten ihre Ausscheidungen zu erheblichen Klimaemissionen führen. Darüber hinaus sind die extra für die Käfighaltung gezüchteten Hühnerrassen so aggressiv, das sie etwa 30% ihrer Artgenossen eliminieren würden. Neue Haltungsvorschläge müßten sich auf Grund der Subventionierung auch erst in der EU durchsetzen.
Aber nicht nur die EU spielt eine große Rolle, international sind auch noch die Welthandelsorganisation (WTO) und die Welternährungsorganisation (FAO) von Bedeutung. Mit ihrer Hilfe muß ein gerechter Welthandel erreicht werden. Entwicklungsländer dürfen dabei nicht länger benachteiligt werden. Die Gentechnik sei, so Müller im Rahmen der Globalisierung auch noch ein wichtiges Arbeitsfeld.
Der Vortrag lieferte viele aufschlußreiche Informationen, die für eine lebhafte Diskussion sorgten.


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