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Text von Donnerstag, 7. März 2002


Gelinkt: Postenpoker bei der PDS

Marburg * (FJH)
Wenn es ans Eingemachte geht, sind sie alle gleich. Nachdem die pensionierte Fernsehjournalistin Luc Jochimsen bei der Kandidatur zum Deutschen Budnestag ihren Hut in den Ring geworfen hat, verteidigt die hessische Bundestagsabgeordnete Pia Maier ihr Mandat mit Zähnen und Klauen.
Ihrer prominenten Konkurrentin wirft die Marburger Politikerin vor, sie wolle am 16. März in der Lutherischen Pfarrkirche eine Veranstaltung zum Thema Sterbehilfe moderieren. Allein diese Moderation disqualifiziert Jochimsen nach Auffassung ihrer Kritikerin für das Bundestagsmandat der PDS.
Vielleicht disqualifiziert ihre Kritik aber auch Pia Maier für dieses Mandat. Schließlich riecht das doch sehr nach Diskussions- oder Denkverbot. Stellt sich die PDS mit dem unappettitlichen Gerangel um das Pöstchen im Parlament gar selbst ein Bein?
Einerseits ist die Enttäuschung einer Politikerin verständlich, deren Arbeit mit einer Zurückstutzung "belohnt" wird. Da muss nur Prominenz vom Fernsehen kommen, und schon zählt jahrelange Arbeit für die Partei nichts mehr! Andererseits sollte das Mandat der besten Bewerberin überlassen werden, auch wenn sie kein Parteimitglied ist. Und war nicht Pia Maier im August 2000 selbst nur für einen verstorbenen Politikerkollegen nachgerückt und damit gar nicht "erste Wahl"?
Doch - egal, ob von Anfang der Legislaturperiode an im Parlament oder nicht - Berufspolitiker haben nun mal das selbe Interesse wie jeder andere Arbeitnehmer auch: Wer gibt schon gern freiwillig seinen einträglichen Job auf?
Diese bittere Erkenntnis haben auch die Grünen machen müssen, die vom 1983 bei Einzug in den Deutschen Bundestag vollmundig verkündeten "Rotationsprinzip" schnell abgerückt sind. Aus der einstigen "Anti-Parteien-Partei" wurde eine ganz normale Partei.
Letztlich erweist sich auch bei der PDS,das ihre Politiker genauso macht- und geldgierig sind wie in anderen Parteien auch. Da können sie noch so viele schöne "linke" Parolen dreschen!


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