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Text von Samstag, 23. März 2002


Bewegliche Bundeswehr: Ein Ausbund an Humanität?

Marburg * (FJH)
"An Wochenenden wie diesem kann man auf Bahnhöfen viel Grün erblicken", berichtete Christian Axnick. Der Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG/VK) macht an dieser Beobachtung das geänderte Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee fest.
Axnick und Peter Metz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) waren die Redner auf der Kundgebung "Heute hier morgen dort - Reisen mit der Bundeswehr ". Zum dritten Jahrestag der Angriffe auf Jugoslawien hatten am Samstag (23. März) nur gut hundert Friedensbewegte auf den Marburger Marktplatz gefunden. Die Marburger Friedensinitiative "Nein zum Krieg!" protestierte dort gegen Einsätze deutschen Militärs in unterschiedlichsten Ländern der Erde.
[Rüdiger Stolzenberg vor der militärischen Landkarte]

"Man könnte einen Globus oder eine Landkarte nehmen und bunte Fähnchen überall dorthin stecken, wo deutsche Soldaten stationiert sind", schlug Axnick vor. Die Orte werden in den letzten Jahren immer mehr. Die Zahl der sogenannten "Kriesenreaktionskräfte wurde von 53.000 auf nunmehr 15.000 fast verdreifacht. Die Hemmschwelle, Militär einzusetzen und Kriege zu führen, sei dramatisch gesunken.
[Pit Metz]

Pit Metz, Betriebsratsvorsitzender bei der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA), kritisierte die Begründung derartiger Einsätze mit "humanitären" Zielen. Wäre die Bundeswehr wirklich so ein "Ausbund an Humanität", dann müsste sie konsequenterweise auch in Nigeria eingreifen. Dort droht einer vergewaltigten Frau, die nun ein Kind von ihrem Peiniger erwartet, die Todesstrafe. Gelänge es ihr, nach Deutschland zu fliehen, so sei sie hier nicht einmal asylberechtigt, erklärte Metz.
Nicht humanitäre Ziele, sondern allein das Erdöl sei sei der Grund für die Kriege, die derzeit mit deutscher Beteiligung geführt werden. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 dienten nur als willkommene Begründung zur Verwirklichung längst ausgeklügelter Pläne der Militärs.
Einen literarischen Vorschlag für das friedliche Zusammenleben der Völker unterbreitete der Marburger Friedensforscher PD Dr. Johannes M. Becker: Er sang zum Abschluss der Kundgebung die "Kinderhymne" von Bertolt Brecht.


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