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Text von Freitag, 26. July 2002


Hobby: "unglückliche Roboter" und "Gedankenvögel"

Marburg * (sts)
12 gänzlich verschiedene Frauen, 12 gänzlich verschiedene Geschichten. Wer dies miterleben wollte, ist am Donnerstagabend (25. Juli) in die Brüder Grimm Stube gekommen. Die "Schreibwerkstatt" der Marburger Sommerakademie hatte unter dem Motto "Spielend schreiben" zu einer öffentlichen Lesung der zwölf Teilnehmerinnen eingeladen. Unter der Anleitung des freiberuflichen Autors Rainer Schildberger hatten sie seit dem Beginn des Kurses am 13. Juli Prosatexte verfasst. Diese wurden nun den rund 30 Besuchern präsentiert.
Ausangspunkt des Kurses war die These, dass Geschichten überall zu finden sind, sie müssen nur ge- oder erfunden werden. Aus realen Personen sollten fiktive Figuren gestaltet und in kurze Prosaformen gebettet werden. Das Geschriebene wurde dann auf formale, inhaltliche und stilistische Gesichtspunkte hin untersucht. Ziel war es, die Analyse der eigenen Texte durch die Betrachtung fremder Texte zu schulen.
Inhaltlich wie qualitativ unterschieden sich die vorgetragenen Texte immens. Schließlich können einige der Hobbyautorinnen eine stattliche Anzahl von Veröffentlichungen vorweisen, während andere gänzliches Neuland betraten. Zudem entstanden die Kurzgeschichten aus sehr unterschiedlichen Grundaufgaben heraus. So konnte die Vorstellung eines individuellen "magischen Gegenstandes" genauso wie die Betrachtung von Menschen auf einer Postkarte Grundlage einer Geschichte sein.
Gelungene Wortschöpfungen wie der "unglückliche Roboter", die "unendliche Unenttäuschtheit" oder die "ertrinkenden Fische" standen unausgegorenen Konstrukten wie den "Gedankenvögeln" oder dem "orangen Gedicht" gegenüber.
Nachdem jede Teilnehmerin zumindest einen ihrer Texte vorgetragen hatte, las Rainer Schildberger zum Abschluss noch "Befriedigung", eine seiner Kurzgeschichten.
Dieses qualitative Gefälle verlangte der Konzentrationsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft einiges ab.
Nach 90 Minuten Laienprosa und Schildbergers Abschlusslesung verließen nicht nur er und seine Autorinnen, sondern auch das Publikum mehr oder minder befriedigt die Brüder-Grimm-Stube.


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