Sie sind hier: marburgnews >

Kultur


Heute ist Samstag, 20. July 2019

Text von Donnerstag, 13. Juni 2002


Express: Vom Mittelmeer zum persischen Golf

Marburg * (ChH)
Geige und Klarinette beginnen eine langsame, etwas melancholische Melodie. Der Kontrabass stimmt ein. Mit einem Knall ist plötzlich das ganze Orchester entflammt. Der Zuhörer wird überrascht von der Vielfalt der orientalischen Trommeln, Blas- und Zupfinstrumente.
Multikulturelle Musik vom Persischen Golf über die Türkei und Süditalien spielt das Yalla Babo Express Orchestra. Das kleine, aber feurige Ensemble trat am Mittwoch (12. Juni) in der Waggonhalle auf. Die acht MusikerInnen stammen selber aus den unterschiedlichsten Ländern - der Türkei, dem Iran, Tschechien, Österreich und Deutschland.
Einige der verwendeten Musikinstrumente sieht man nicht alle Tage. Auf zwei dudelsackartigen Instrumenten wurden schaurig schöne Melodien gespielt. Anja Herrmann sorgte mit den verschiedensten orientalischen und osteuropäischen Trommeln für den passenden Rhythmus. Zusammen mit Veronika Neudorf, der Streicherin aus Prag, sang sie Lieder vom Balkan. Die leidenschaftliche Zigeunermusik von Carsten Schober ging vielen im Publikum unter die Haut.
Die Bandbreite reichte von traurigen Stücken über Liebeslieder bis zu fulminanter Tanzmusik. Zu jedem Lied erzählten die Musiker eine kleine Anekdote. Ein bretonisches Lied handelt von einem Mann, der nach einem Liebesabenteuer auf der Kirmes sein bestes Stück verliert. Ein türkisches Stück erzählt von dem Seemann, der über das Meer seiner Geliebten nachtrauert. Dazu ließ einer der Künstler Sand über eine Trommel rinnen, um das Geräusch der Wellen zu imitieren.
Die Musik war sehr lebendig und mitreißend. Ein bißchen getrübt wurde der Auftritt von der schlechten Akustik des Raumes und der technischen Ausstattung, die auf Sprachdarbietungen und nicht auf Gesang ausgerichtet ist. Außerdem hätte man den Anwesenden in der Pause die Stühle wegnehmen müssen, da sie sich äußerst tanzfaul zeigten. Alles in allem war das Konzert - das zur Geisterstunde doch noch die Untoten von ihren Stühlen riß - sehr rasant und rhythmisch.


Kultur-Archiv





© 01.06.2002 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg