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Text von Dienstag, 7. Mai 2002


Gott: Woody Allen im KFZ

Marburg * (ChH)
Der chronisch einfallslose Autor Hepatitis (Tilman Brand) ist verzweifelt. Ihm fällt beim besten Willen kein gutes Ende für sein Theaterstück ein. Dabei will er doch in drei Tagen beim Athener Dramenfestival den heißbegehrten "Goldenen Tony" und eine Gratiskiste Ouzo gewinnen. Heftig diskutiert er mit dem ebenfalls erfolglosen Schauspieler und Sklaven Diabetes (Marc Ruhlandt) über eine gelungene Abschlußszene. Doch dann verselbstständigt sich die Handlung und die beiden werden zu Akteuren in ihrem eigenen Stück.
Die Theatergruppe Rampenfieber zeigte am Montag (6. Mai) Woody Allens Stück "Gott". Die Zuschauer konnten im Kulturladen KFZ die Inszenierung von Irene Loizides mit insgesamt 23 Schauspielern verfolgen.
Mitten im philosophischen Disput der beiden Antihelden, die gerade bemerken, dass sie selber nur Figuren auf einer Studentenbühne sind, stürmt die blonde Sexbombe Doris Levin (Lilian Mager) aus den Zuschauerrängen auf die Bühne. Sie gibt vor, sich in philosophischen Fragen auszukennen und beginnt sogleich, heftig mit beiden zu flirten. Sie ist aber nicht die einzige der Zuschauer, die mitten in der Handlung plötzlich aufspringen und anfangen zu spielen. Die Autorin Lorenza Müller (Julia Dombrowski) gibt vor, das gesamte Publikum kreiert zu haben. Aber nicht nur sie mischt sich in die Handlung ein, Woody Allen ruft selbst zweimal an, um das Vorankommen seines Stücks zu prüfen. Das wirkliche Ende der Aufführung gerät zum unfreiwilligen Showdown.
"Woody Allen wirft - neben der scheinbar vordergründigen Diskussion über Feigheit, Zivilcourage, die Kunst ein Theaterstück zu schreiben und dem ewigen Rätseln über die Wahrhaftigkeit des weiblichen Orgasmus - die philosophische Frage nach der Existenz Gottes und der Eigenverantwortlichkeit des Menschen auf", so die Aussage der Theatergruppe.
Das Stück war auf jeden Fall amüsant und kurzweilig. Die Schauspieler zeigten eine große Spielfreude. Ihre Leistungen waren durchweg überzeugend. Woody Allens typische Ironie und sein verwirrender Humor fanden sich in jeder Szene wieder. "Und denkt daran, Homer liebte es und er war blind!"
Wer diese spritzige Aufführung selbst erleben möchte, der kann am Dienstag (7. Mai) um 20 Uhr im KFZ auf die Suche nach "Gott" begeben.


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