Sie sind hier: marburgnews >

Kultur


Heute ist Donnerstag, 9. July 2020

Text von Freitag, 31. Mai 2002


Dahingedonnert: Stimmung bei "Nacht der Stimmen"

Marburg * (FJH)
"Wer A sat, muss auch B sagen", dachte sich eine neugegründete Marburger A-Cappella-Gruppe. Unter dem Namen "B-Cappella" präsentierten die Vokalisten ihr Können am Donnerstag (30. Mai) erstmals einer breiteren Öffentlichkeit. Die Marburger eröffneten das Programm zur 10. "Nacht der Stimmen" auf der Schlossparkbühne.
Seit 1993, als der Kulturladen KFZ das erste A-Cappella-Konzert auf der Schlossparkbühne ausrichtete, ist die "Nacht der Stimmen" zur festen Institution geworden. 39 Gruppen aus 12 Ländern haben die 10 Veranstaltungen - weitgehend nur - mit ihren Stimmen bestritten. Der Erfolg dieser Konzerte lässt sich durch nichts eindeutiger belegen als durch die Tatsache, dass die Schlossparkbühne bis auf den letzten Platz voll besetzt war.
Den knapp 900 Zuhörerinnen und Zuhörern boten vier Gruppen ihre stimmgewaltigen Stücke dar. Es ist inzwischen schon Tradition, dass eine Marburger Gruppe den Reigen der Vokal-Ensembles eröffnet, bevor eine ausländische, eine deutsche und dann wieder eine ausländische Gruppe ihre Stimmen erheben. Ebenso umfasst das dargebotene Repertoire traditionsgemäss Pop, Weltmusik und mitunter auch Klassik.
Bekannte Pop-Songs präsentierten die "Magnets" aus London. Ganz ohne Begleitinstrumente kamen sie allerdings nicht aus. Dafür brachten sie das Publikum mit - manchmal etwas niveaulosem - britischem Humor in Stimmung. Ihr Gesang war ein wenig zu hastig und atemlos. Das Ganze wirkte wie schnell dahingedonnert. Doch dem Publikum gefiel der Galopp durch die Hit-Listen. Zum Schluss durften die Besucher mitsingen und garnierten einen Song mit ihrem "Schalala".
Mit ungleich mehr Niveau setzte "Aqua Bella" aus Berlin das Programm fort. Die fünf Berlinerinnen sangen Lieder aus Bulgarien, Irland, Italien, Kuba und dem Senegal. Ihren Gesang unterstrichen die Künstlerinnen gekonnt durch pantomimische Einlagen und szenisch vorgetragene Ansagen. "Der Pfarrer hat eine Geliebte", zerreissen sich da die Frauen des Dorfes ihre Mäuler. Aber nächsten Sonntag werden sie alle wieder in der Kirche sein. Auch "Aqua Bella" darf mit seinem gelungenen Programm bei nächster Gelegenheit wieder in Marburg sein.
"Die Echten" aus Wien hingegen konnten nicht wirklich überzeugen. Auch sie kamen nicht ohne Instrumentalbegleitung aus. Und auch sie griffen bei ihrem Repertoire überwiegend auf Stücke zurück, die schon tausendmal nachgesungen worden sind. Dem Vergleich mit der unvergesslichen Janis Joplin hielt die Sängerin aber nicht stand, als sie ihre Stimme erhob und bat: "Oh God, won´t You buy me a Mercedes-Benz?"


Kultur-Archiv





© 01.02.2002 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg