Sie sind hier: marburgnews >

Kultur


Heute ist Dienstag, 14. July 2020

Text von Samstag, 25. Mai 2002


Gestimmt: A-Cappella in gothischer Kirche

Marburg * (FJH)
"Wir singen querbeet." Der Name des Chors ist Programm. Am Freitag (24. Mai) unternahm die A Capella-Formation "Wirsing Querbeet" in der Lutherischen Pfarrkirche eine "musikalische Reise durch Raum und Zeit". Das Programm reichte dabei von Bach bis Billy Joel und von Afrika über Schweden bis Haiti.
Gestimmt haben am Freitagabend nicht nur die stimmlichen Leistungen der 15 Sängerinnen und Sänger; auch die Auswahl der Stücke präsentierte eine gelungene Mischung bekannter und exotischer, zeitgenössischer und historischer, volkstümlicher und anspruchsvoller Stücke. Lediglich die launigen Ansagen des Chorleiters Jean Kleeb brachten nur die ersten vier Reihen zum Lachen, da die restlichen 100 Zuhörerinnen und Zuhörer sie nciht verstehen konnten.
Im Gegensatz zu den Ansagen war der Gesang des Chors jedoch gut zu hören. Die einmalige Akustik der gothischen Kirche brachte ihn erst richtig zur Geltung. Volksmusik, Choräle und Pop wechselten einander ab mit begeisterten Reaktionen des Publikums, das schon nach dem ersten afrikanischen Lied frenetisch applaudierte.
Besonders gelungen waren drei russische und ein mazedonisches Volkslied, die der brummige Bass mit seiner sonoren Stimme überaus wirkungsvoll unterlegte.
Der Wechsel ruhiger und mitreissender Melodien, stimmungsvoller und aufmunternder Stücke begeisterte das Publikum. Von Studierenden bis hin zu Rentnerinnen und Rentnern fehlte kaum eine Altersgruppe. Der Chor erreichte sie alle. Bis auf das letzte Stück war die gesamte Darbietung ausschließlich vokal.
Den krönenden Abschluss bildete das haitianische Lied "Peze Cafe" über einen Kaffeeverkäufer. Von Schnalzenden Zungen angestimmt, singen zunächst helle Frauenstimmen eine sanfte Melodie. Leise Männerstimmen lösen sie ab. Dann fallen weitere , tiefere Männerstimmen ein. Bald singt der gemischte Chor in voller Stärke. Trommeln ertönen. Ihr Rhythmus wird immer schneller und immer lauter. So entsteht ein furioser Klangteppich aus Stimmen, nachgemachten Tiergeräuschen und Rhythmus. Plötzlich bricht er ab. Dann hört man wieder die Frauen, deren Gesang erst anschwillt , dann aber immer leiser verklingt. Als er verstummt, bricht tosender Applaus aus. Der Chor muss "Peze Cafe" noch einmal widerholen. Da hat einfach alles gestimmt.


Kultur-Archiv





© 01.02.2002 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg