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Text von Montag, 11. März 2002


Gut gejault: Musical auf den Hund gekommen

Marburg * (fcs)
"Schau mir auf die Pfoten, Kleines!" Das war nicht die einzige Anspielung auf bekannte Filme, Lieder und berühmte Namen beim Gastspiel des Landestheaters Tübingen (LTT) am Sonntag (10. März). Zur Eröffnung der 7. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwochen zeigten die Preisträger des Jahres 2000 ihr Musical "Dogs" von Heiner Kondschak im Theater am Schwanhof.
Das Musical um das "tierische" Miteinander, Liebe, Hass, Glück und Toleranz zog die kleinen und großen Zuschauer in seinen Bann. Doch zuvor fand die offizielle Eröffnung der Theaterwoche statt.
Bürgermeister Egon Vaupel und Ute Göbel Lehnert von der Regionalstelle Marburg des Hessischen Landesinstituts für Pädagogik (HELP) hoben angesichts der Pisa-Studie die Möglichkeiten des Theaters an und für Schulen hervor. Staatsministerin Ruth Wagner vom Ministerium für Erziehung und Kunst hatte sich dafür eingesetzt, dass das Festival den Namen Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche erhielt. Dafür überreichte ihr Intendant Ekkehard Dennewitz einen Blumenstrauß.
[Dogs]

Endlich konnten dann die Tübinger die Bühne erstürmen. Die Gunst der Zuschauer war ihnen schon nach den ersten Takten gewiss. Mit Witz und Ironie spielten sie die Geschichte von der Pudeldame Waltraud von Finkenstein, die verletzt und mit Gedächtnisschwund am Stadtrand liegt. Geholfen wird ihr vom Wolf Kuno. Doch da tauchen der Schäferhund Bruno und seine "Meute" auf. Waltraud fällt in die Hände der raubeinigen Bande. Sie wird gedemütigt und beschimpft. Zum Glück gelingt ihr die Flucht in den Wald, wo sie wieder auf Kuno und die Liebe trifft. Alles scheint wunderbar zu sein, bis Kuno erfährt, wer Waltraud wirklich ist.
Die Masken der Schauspieler waren gekonnt ihren Hundevorbildern nachgemacht. Auch die Kostüme zeigten deutliche Spuren ihrer imitierten Artgenossen. Pudeldame Waltraud kam ganz in Rosa und bauchfrei daher. Der Boxer Pit, wie könnte es anders sein, sah aus, als wollte er ständig in den Ring steigen. Seine Intelligenz hatte sich auch gut der eines Boxers angepasst. Schäferhund Bruno trug entsprechend zu seinem befehlenden Ton eine Andeutung von Uniform.
Allein die Namen der Hunde des "Theaterchors", wie sich die Live-Band nannte, gab einigen Anlass zu lachenden Gesichtern. So gab es dort einen geigespielenden Pekinesen mit Namen Vanessa Hae. Oder einen Cockerspanier, der sich Joe Cocker nannte. Und Frau Dal stellte sich immer gerne zuerst mit ihrem Nachnamen vor. "Dal - Martina". Weiter ging es mit Anspielungen auf typische Hundeklischees und bekannten Liedern wie Jingle Bells. Dabei mischte sich der "Theaterchor" immer wieder in das Geschehen mit ein. Die Akteure gaben auch hin und wieder kleine Regieanweisungen an die Technik oder die Musiker. Überhaupt zeigten alle Mitwirkenden ein erstaunliches Talent für die unterschiedlichsten Musikinstrumente. Der Schlussapplaus viel genauso jaulend aus, wie es die Hunde auf der Bühne schon vorgemacht hatten. Um eine Zugabe kam das Tübinger Ensemble nicht herum. Die heulende und jaulenden Anspielung auf "Cats" ist sicherlich ein Favorit für den Preis, den der Verein Freundeskreis Marburger Schauspiel e.V. am Ende der Woche verleiht.


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