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Text von Samstag, 16. März 2002


Verwandlung: Der Traum vom weißen Vogel

Marburg * (ChH)
Eine weiß geschminkte Frau in einem weiten, grauen Umhang sitzt auf einer Holzkiste. Ihre Haare sind wie das Gefieder eines Vogel grau und weiß meliert. Der einzige Gegenstand auf der Bühne sind ein paar rote Schuhe, die vor den Füßen der Frau liegen. "Das häßliche junge Entlein" des Figurentheaters Waidspeicher aus Erfurtwurde im Rahmen der 7. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche am Samstag (16. März) im Theater am Schwanenhof aufgeführt. Es basiert auf dem Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen.
Frauke Jacobi spielt das häßliche Entlein und beginnt dessen Geschichte zu erzählen.Während des Stückes schlüpft Sie in weitere Rollen. Die übrigen sind durch kleine Holz oder Stoffpuppen besetzt. Eine Darstellerin, eine Kulissenkiste und ein Kostüm - mit diesen einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln gelingt es, die gespannte Stimmung unter den kleinen Zuschauern über die gesamte Länge des Theaterstücks zu erhalten.
"Vom Gefühl, nirgends erwünscht zu sein und dazugehören zu dürfen, von Einsamkeit und der Sehnsucht nach vollendetem Glück wird erzählt und gespielt," so die Aussage des Stückes.
Die Handlung durchläuft die verschiedenen Jahreszeiten. Am Anfang ist es Sommer. Auf dem Hühnerhof ist die Welt noch in Ordnung, bis ein großer, grauer, häßlicher Eindringling aus seinem Ei schlüpft.
In den Deckel der Holzkiste werden die verschiedenen Bühnenbilder eingesetzt. Der Entenweiher entsteht durch einen Schilfhintergrund. Die Schauspielerin spritzt Wasser aus der Kiste in den Zuschauerraum. Die Kinder schreien fröhlich auf. Die Tiere auf dem Hühnerhof bewundern die Kinder der Entenmutter, nur das eine ist missraten. "Dreckspatz! Scheusal! Die Katze soll es fressen!", sind die Reaktionen der anderen Tiere. "Zerhacken! Zerhacken! Zerhacken!", von allen Seiten stürzen sie sich auf das Unglücksentchen.
Das Entlein flieht in den Wald. Je später die Jahreszeit, desto auswegloser seine Situation. Im Herbst schüttet die Darstellerin bunte Blätter auf die Bühne. Im Winter rieseln Schneeflocken aus ihrer Hand. Die Entleinpuppe wärmt sich die Hände, indem sie lautstark hinein pustet.
Doch die melancholische Stimmung wird durch einen Traum unterbrochen. Ein weißer Vogel erscheint, breitet seine Flügel aus und fliegt in den Himmel hinauf. Die kleine Ente trotzt den oft ausweglos erscheinenden Situationen mit viel Hartnäckigkeitund Witz. So schließt Sie etwa mit einer alten Frau einen Vertrag. Eier gegen einen warmen Platz am Ofen. Doch selbst nach vielen geräuschvollen Versuchen gelingt es ihr nicht, auch nur ein einziges Ei zu legen.
Am Ende nehmen die Enttäuschungen überhand. Das häßliche Entlein schwimmt auf den See hinaus und sieht den weißen Vogel im Wasser gespiegelt. "Töte mich weil ich so häßlich bin", fordert es. Doch als es erwacht ist Frühlingund es bemerkt: "Ich bin der weiße Vogel." Und alle seine Sorgen verschwinden.
Das Stück über den guten Kern und den unverbrüchlichen Wert in jedem Menschen eignet sich sehr gut für das junge Publikum. Nachdem dieses seine anfängliche Scheu überwunden hat, feuert es in witzigen Situationen die Darstellerin und die Puppen lautstark an. Eine comichafte Sprache, Tanz und Gesangseinlagen mit Musik erzeugen eine lebendige Atmosphäre. Die Hauptdarstellerin erhält nach dem Ende des Stücks für jede ihrer Rollen immer lauteren Applaus.


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