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Text von Freitag, 11. Januar 2002


Multimediale Vermittlung: Lernen mit allen Sinnen

Marburg * (FJH)
Der Seminarleiter hält einen Stein in der Hand. Ein Metronom tickt im Takt. So begann Jochen Bechheim am Mittwoch (9. Januar) in der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) das Seminar "Präsentationstechniken und Super-Learning" . Zehn Blinde und Sehbehinderte Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik informieren sich dabei über Möglichkeiten der Wissensvermittlung. Bei einer Pressekonferenz stellten Seminarleiter Jochen Bechheim und Veranstalter Dr. Heinz Willi Bach von der DVBS-Fachgruppe "Wirtschaft" am Freitag (11. Januar) dieses spezielle Angebot für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen vor.
Im Mittelpunkt des fünftägigen Seminars stehen Tricks, mit denen auch Menschen mit Sehbehinderungen im Zeitalter multimedialer Kommunikation bestehen können.
Den Stein hat Bechheim eingesetzt, da er alle Sinne anspricht: Man kann ihn sehen, seinen Schlag gegen andere Gegenstände hören oder ihn in die Hand nehmen. Die beste Wissensvermittlung spricht nach seiner Auffassung immer alle Sinne gleichzeitig an.
Im Multimedia-Zeitalter werden 70 % der Informationen visuell vermittelt und aufgenommen. Den blinden und sehbehinderten Seminarteilnehmern vermittelt der Sonderpägagoge an der Carl-Strehl-Schule (CSS) bis Sonntagmittag Techniken, die Sehende für Präsentationen benutzen. Untereinander tauschen die Teilnehmenden - darunter auch zwei Hochschullehrer - ihre Erfahrungen aus, wie auch sie solche Techniken einsetzen können.
Folien, die mit Hilfe sehender Assistenzpersonen erstellt wurden, kann man am Rand mit einem tastbaren Aufkleber so markieren, dass man sie voneinander unterscheiden kann. Selbst einzelne Zeilen kann man markieren, so dass nun ein Stift oder ein farbiges Band an der richtigen Stelle auf die Folie aufgelegt werden kann. Der Overhead-Projektor zeigt so genau die Zeile an, die der Blinde zuvor markiert hat.
Auch die Computer-Präsentation mit "Powerpoint" kann man anwenden, ohne hinzusehen: Ein akustisches Signal kennzeichnet jede neue Seite mit einem anderen Ton. So hört man, ob man die richtige Stelle zeigt.
"Wir sollten unsere Behinderung aber nicht als Defizit auffasssen", meinte Dr. Heinz Willi Bach. Vielmehr sollten Blinde bei Präsentationen stärker das Gehör , den Geruchs- oder Tastsinn ansprechen und sehende Zuhörer so an die Vielfalt ihrer Wahrnehmungsmöglichkeiten erinnern.


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